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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 272

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Zionistische Krise und Jüdischer Bund
Date
1924-01-01
Page
272 (sequence 7)
Language
German
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272 Moses Beilinson: 1917—1920 hat man allgemein geglaubt, daß der Zionismus Geld und Leute genug haben werde. Jetzt sieht man, mit welchen Schwierigkeiten man zu kämpfen hat, um nur Geld zu bekommen. Tut man weise, gar nicht daran zu zweifeln, daß, falls die gegenwärtigen Anstrengungen mit Erfolg gekrönt werden und das Geld da sein wird, die Menschen immer zur Verfügung stehen werden? Denn zu einem bequemen Lande wird Palästina auch m i t amerikanischem Gelde nicht werden. Je tiefer wir uns in die zionistische Gegenwart hineindenken, desto klarer verstehen wir, daß hier — in diesem mangelnden Palästina-Willen des jüdischen Volkes — die entscheidende Ursache der schweren Lage ist. Es ist eine Illusion, zu glauben, daß der Übersiedelung der Juden nach Palästina und folglich der allmählichen Verwandlung Palästinas in Erez Israel irgend welche unüberwindliche äußere Hindernisse im Wege stehen; wahr ist einzig und allein, daß die Juden ihr Land noch nicht wieder wollen oder genauer: daß sie es noch nicht richtig wollen. Diese Erkenntnis hätte auf uns mit elementarer Erschütterung gewirkt, wenn sie uns mit einem Male und nicht im Laufe von einigen Jahren aufgegangen wäre; wir sind aber daran, vielleicht ohne es zu merken, schon gewöhnt, und es scheint, daß die Mehrheit der aktiven Zionisten sich wohl heute dessen bewußt ist, daß in Wirklichkeit der zionistische Gedanke nur von einer nicht sehr großen jüdischen Gruppe aktiv vertreten wird und daß die Million von Schekolim nicht viel mehr als eine dekorative Zierde dieses Gedankens darstellt. Diese Erkenntnis berührt, selbst wenn sie mit aller Deutlichkeit empfunden wird, nicht unseren Glauben an die Richtigkeit und die Verwirklichungs-Möglichkeiten des zionistischen Gedankens; wesentlich bleibt für uns einzig und allein, daß dieser Gedanke national ist, d. h. den besten und stärksten Traditionen und Tendenzen des jüdischen Volkes, der Metaphysik der jüdischen Geschichte, den Notwendigkeiten der jüdischen Gegenwart, den Hoffnungen der jüdischen Zukunft entspricht und aus ihnen organisch herausgewachsen ist. SDlange wir diese Überzeugung unerschütterlich in uns tragen, kann für uns die Tatsache, daß die Denkweise und der Wille der Mehrheit des jüdischen Volkes heute mit seinem eigenen nationalen Geiste nicht im Einklang stehen, tief betrübend sein, sie kann uns aber nicht am Zionismus verzweifeln lassen. Es wäre übrigens weder in unserer Geschichte noch in der Geschichte der anderen Völker das erste Mal, daß die Minderheit der echte und auf die Dauer dennoch siegreiche Träger des nationalen Geistes ist. In dieser Erkenntnis der Minderheitsstellung der Zionisten im jüdischen Volke ist keine Überhebung, kein stolz-verzweifeltes Sich-dem-Volke- Gegenüberstellen enthalten; nur der Schmerz darüber, daß die Sachlage so ist, und die Überzeugung, daß sie anders werden muß, damit der Zionismus verwirklicht werde. Wir erinnern uns der Stellung, die die Wenigen, die Einzelpersönlichkeiten in der thalmudischen Welt einnehmen — sie stehen im Zentrum, als Stützen des Universums und Mitarbeiter Gottes. Ebenso bewußt sind wir uns aber des tiefen Kommentars zum Ve rse (Exodus

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