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Der Jude · 1916-11-01 · Heft 8 (November 1916) · p. 558

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 8 (November 1916)
Article
Altjüdische Geschichten
Date
1916-11-01
Page
558 (sequence 3)
Language
German
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558 M. J. bin Gorion: Altjüdische Geschichten hast. R. Nahaman sprach: Mein Herr, du sprachst, du seist tot; fallen denn nicht die Toten der Verwesung anheim? Der Tote versetzte: Hast du denn das Buch der Sprüche nicht gelesen und weißt du nicht, was Salomo in seiner Weisheit gesagt hat: Ein gelassener Sinn ist des Leibes Leben, Neid aber ist Wurmfraß den Beinen. Von mir darf gesagt werden, daß ich mein Lebtag auf dem Meinigen nicht beharrte und daß mein Herz niemals Neid gegen meinen Nächsten hegte. Auch habe ich im Bethaus sowohl wie im Lehrhaus keinerlei unnütze Rede geführt, und ich ließ mein Herz und meine Ohren den Worten der Lehre in Andacht lauschen. So ist an mir in Erfüllung gegangen, was da geschrieben steht: Wer auf mich horcht, wird Ruhe haben. Da sprach R. Nahaman zu dem Toten: Willst du, daß ich dir eine Gruft errichten lasse, in der du weiter schlummern kannst? Der Tote antwortete: Nimm mich nicht hinweg von hinnen, denn ich habe ein Anrecht auf diese Grabstätte; lege mich zurück an meinen Platz, und laß die Erde wieder aufschütten; so will ich ruhen, bis der Herr die Worte wahrmacht, die er gesprochen hat: Daran sollt ihr erkennen, daß ich ein Gott bin, wenn ich eure Gräber aufgemacht und euch, mein Volk, aus ihnen empor gezogen habe. Alsbald tat R. Nahaman, wie es der Tote befohlen hatte, und bettete ihn in die Erde. Der Meister grämte sich dennoch diesen ganzen Tag und sprach: Wehe mir, vielleicht habe ich des Gerechten Ruhe gestört. In der Nacht darauf sah er aber den Toten in einem neuen Sarge liegen; sein Angesicht leuchtete wie der Himmel in seiner Klarheit, und er sagte den Spruch her: Selig, wer mir gehorcht, daß er täglich an meiner Tür wache und an meinem Pfosten warte. Da ließ R. Nahaman Preis und Dank dem Herrn zukommen, der seinen Frommen ihren Lohn austeilt. Zehn SöhneTeiner Mutter ü& Zur Zeit der Lehrers R. Akiba lebte in einer Stadt eine reiche Frau, die zehn Söhne hatte; die Söhne waren alle der Schrift kundig, und das Forschen in der Lehre war ihr tägliches Tun. Eines Tages war der Frau das Brot ausgegangen, und ihre Magd war fort, um Wasser zu schöpfen. So rief sie eine Nachbarin und sprach zu ihr: Komm zu mir und backe mir ein Brot, denn meine Kinder werden hungrig aus dem Lehrhause heimkehren. Alsbald kam die Nachbarin in das Haus der reichen Frau und rührte den Brotteig an. Sie hatte aber zuvor in den Zipfel ihres Schultertuches zwei Golddinare gebunden. Während sie nun knetete, löste sich der Knoten des Tuches, und das Geld fiel in den Teig; das Weib aber hatte davon nichts gemerkt. Als sie nach Hause kam, suchte sie nach dem Gelde und fand es nicht. Da lief sie zurück zu der Mutter der Söhne und rief: Das soll wohl mein Lohn sein dafür, daß ich dir dienstbeflissen war; zwei Golddinare sind mir in deinem Hause abhanden gekommen. Darauf sprach die reiche Frau: Bewahre und behüte, daß in meinem Hause solches vorgekommen sein sollte. Und sie suchten beide nach dem Gelde, konnten es aber nicht finden. Die Mutter der Söhne sagte: Dir ist das Geld womöglich draußen entfallen. Die Nachbarin erwiderte: Daß ich nicht wüßte! In deinem Hause ist es mir verloren gegangen. Da sprach die Mutter der Kinder: Wenn das Geld sich in meinem Hause befindet, so möge mir eine böse Kunde von meinem ältesten Sohne kommen. Sie hatte kaum ausgeredet, als die Nachricht eintraf, daß ihr ältester Sohn gestorben

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