Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 8 (November 1916)
- Article
- Altjüdische Geschichten
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 559 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Martin Buber: Chassidisches 559 sei. Darauf sagte die Nachbarin: Nun sieh, daß du gelogen und unredlich gehandelt hast. Der Herr hat mir recht gegeben, indem er dich diese Strafe hat erfahren lassen. Die reiche Frau sprach dennoch: Wenn es wahr ist, was du sagst, so ereile alle meine Söhne der Tod. Das geschah auch. An diesem Tage starben alle Söhne der Frau. Man brachte die Jünglinge nach ihren Grabstätten, und der Tag war ein Tag der Trauer und des Jammers für alle Weisen Israels, denn zehn Säulen der Lehre waren auf einmal gefallen. Danach wurde das Weib in ihr Haus geleitet, und man trug das Brot auf, das jene Nachbarin gebacken hatte, um das Trostmahl zu begehen. R. Akiba nahm als erster das Wort und sprach: Gelobt sei der Richter, der Recht spricht und gerecht urteilt! Danach sprach er den Segen über das Brot und schnitt es auf. Und siehe, die zwei Golddinare fielen heraus. Da fragte der Meister: Was soll das bedeuten? Gebrochenen Herzens erwiderte die Mutter der Söhne: Herr, dieses Geld trägt die Schuld an dem Tode meiner Kinder. Und sie erzählte die ganze Begebenheit. R. Akiba rief aus: 0 des Tages des Gerichts, der unser aller harret! [Übersetzt von R. R.] In jedem Menschen aus dem Volk ist ein heiliger Funke, dessengleichen in keinem andern, auch nicht im Zaddik ist; nur daß das Licht nicht gleicherweise aus allen offenbar wird. Davon ist ein Gleichnis zu sagen. Wenn ein Edelstein übertüncht in einer Wand steckt, sieht keiner seinen GL,nz. Aber reinigt man ihn vom Lehm, dann beginnt c'er Stein zu strahlen; nimmt man ihn aus der Wand und legt ihn auf eine goldne Schale, dann leuchtet sein ganzer Adel auf. Darum heißt es: Er legt das Licht um wie ein Gewand. Gott legt sein Licht den Menschen um wie ein Gewand: jeder hat so viel des Lichte-, wie viel seiner selbst er wirklich zu machen vermag. So sagt auch die Schrift: ,,Und bei allen Kindern Israel war Licht in ihren Wohnurgen." Bei allen war das Licht; aber wie sehr ihm einer Wohnung zu sein venr.ochte, so sichtbar wurde es in ihm. „Und Gott redete zu Mose und sprach: Sage den Kindern Israel, daß sie mir ein Hebeopfer geben." Zu diesem Wort der Schrift sagte Rabbi Susja: Es ist nicht genug, daß, der dem Bedürftigen gibt, in heiliger Intention gibt; es muß auch der Bedürftige in heiliger Intention nehmen. Es ist nicht genug, daß im Namen Gottes gegeben wird; es muß auch im Namen Gottes genommen werden. Darum heißt es: daß sie mir ein Hebeopfer geben. Martin Buber CHASSIDISCHES Das Gewand des Lichts "t legt das Licht um wie ein Gewand.' , Der Rishiner erklärte: Das Hebeopfer