Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jüdisch-Deutsche Bibelübersetzungen [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 251 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau: Jüdische Wissenschaft owel (hebr. 'abhel) auwei, st. oscher (hebr. 'etser, Eigenname oder eagir) auscher, st. tole (hebr. taluj, der Gekreuzigte) taule gesprochen haben u. dergl., jedenfalls unter dem Einflüsse ihrer nicht jüdischen Umgebung, die stroh in strauh, tot in taut geändert hat. Daraus, das diese dialektische Eigentümlichkeit zweimal in einer Textprobe bei Staerk vorkommt, 2S4.25 jaußem st. joßem (hebr. jathom) und 28s27 schaufei st. schofel (hebr. saphel) darf füglich geschlossen werden, daß der Verfasser, Abraham b. Samuel Pikarti — es handelt sich um einen Text von oberdeutschem Sprachtypus des XV.—XVI. Jahrh. — aus Elsaß oder Lothringen stammte, wo ja der Name Pikart, auch Bikart oder Bigart geschrieben, noch heute häufig sich findet. Daß die graphische Wiedergabe der hebräischen Wörter des Jüdisch-Deutschen im vorliegenden Buche nicht phonetisch, sondern nach den Grundsätzen der modernen semitischen Sprachwissenschaft erfolgt ist, halte ich für keinen Vorteil. Die phonetische Schreibung hebräischer Wörter, die als solche etwa durch Kursivdruck leicht kenntlich zu machen gewesen wären, und außerdem noch die wissenschaftliche Umschrift jedesmal in der Fußnote hätte allen theoretischen Gründen und praktischen Erwägungen vollkommen entsprochen. Der schuldigen Rücksicht auf die des Hebräischen unkundigen Leser ist auch ohnehin bei jedem hebräischen Worte durch eine erklärende Anmerkung reichlich Genüge geschehen. Wenn rieht des Kostenpunktes wegen der Umfang des Buches nur auf das Notwendigste beschränkt gewesen wäre, hätten die Herausgeber gewiß die jüdisch-deutschen Texte nicht nur in deutscher Transskription, sondern auch — wenigstens einiges davon — in hebräischen Schriftzeichen abgedruckt. Denn wenn es die Aufgabe des Forschers ist, das in hebräischen Buchstaben dargebotene Wortbild möglichst genau in deutschen Schriftzeichen umzusetzen, gleichsam aus dem Negativ jüdischdeutscher Texte das entsprechende Positiv darzustellen (S. XXII), so muß doch auch wiederum der Kritik die Möglichkeit gegeben sein, nachzuprüfen, wie weit die Lösung dieser Aufgabe dem Forscher gelungen ist. Dazu jedoch ist die Einsicht in den hebräisch geschriebenen Text des Jüdisch- Deutschen nicht zu entbehren. Das Buch bietet nur zwei Textproben von zusammen 5 Zeilen Jüdisch-Deutsch in hebräischen Buchstaben. Aus den in deutscher Schrift abgedruckten Stücken ist beispielsweise nicht zu ersehen, ob der irrationale Vokal (e) der Endsilbe im ursprünglich hebräisch geschriebenen Text durch Aleph oder durch Jod bezeichnet oder völlig weggelassen ist. Philologisch scheint auch dieses nicht gleichgültig. Aber noch Wichtigeres kommt in Betracht. Die Herausgeber haben oft ein o gesetzt, wo man ein a erwarten möchte, und umgekehrt. Was ist nun das Richtige? Ist der fragliche Buchstabe im hebräisch geschriebenen Jüdisch-Deutschen ein Waw oder ein Aleph? Wenn ersteres, dann wäre ja o sicher richtig. Aber auch hebräisch Aleph ist öfter durch o im Deutschen wiedergegeben, und zwar nicht etwa nur dort, wo o ganz gewiß richtig ist, sondern auch da, wo a das richtige scheint. So heißt es in den Textproben aus dem von Aemilius Paulus in Augsburg 1544 gedruckten Pentateuch (S. 131 ff.) regelmäßign o m e n (für Namen), w o r e n (für waren), s o ß e n (für saßen) u. dergl. Staerk hatte kein Exemplar des Buches vor sich, sondern nur eine ungefähr gleichzeitige Münchener Abschrift, und ich nehme an, daß er das hebräisch geschriebene Wort pX3 in n o m e n umschrieben hat. Aber in dem von mir entdeckten (vollständigen und tadellos erhaltenen) Exemplar der Würzburger Universitätsbibliothek — das der Pariser Bibl. Nat. galt bisher als das einzig vorhandene — heißt es neben p*o auch pa, woraus klar hervorgeht, daß dieses Wort nicht n o m e n , sondern n a m e n gesprochen worden ist. Und so dürften auch manche andere Wörter, in denen die Herausgeber ein o geschrieben haben, in Wirklichkeit mit a gesprochen worden sein, wie denn überhaupt bei der Umschreibung des Jüdisch- Deutschen ins Deutsche durchgehende Fehlerlosigkeit nicht zu erzielen ist. Handelt es sich doch um Literaturdenkmäler, die erst aus einer den deutschen Wortformen innerlich widerstrebenden Schriftart in die ihrem lautlichen Bestände und grammatischen Bau angemessene umgesetzt werden mußten (S. VIII). Dazu kommt noch als Fehlerquelle die Unkorrektheit der handschriftlichen und gedruckten Vorlagen. Daher ist es nur natürlich, daß vereinzelt auch unrichtige Entzifferungen und Lesungen in den Textproben sich finden. Nur ganz wenige seien hier erwähnt. 916 verbirg min zorn vor min finden, was Staerk für unverständlich hält, ist einfach in verbirg d i n zorn vor min sinden zu verbessern, was dem hebr. Text (Ps. 51, n) genau ent-