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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 4 · p. 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Jüdisch-Deutsche Bibelübersetzungen [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
250 (sequence 2)
Language
German
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250 Umschau: Jüdische Wissenschaft gefehlt hat. Trotz dieses Mangels einer allgemein anerkannten Rechtschreibung für das Jüdisch-Deutsche ist es den Herausgebern mit vereinten Kräften vortrefflich gelungen, philologisch zuverlässige Texte aus den verschiedenen Perioden, vom XIII. Jahrhundert bis zum Ausgange des XVIII. in deutscher Umschrift herzustellen und möglichst alle in Betracht kommenden mundartlichen Gebiete zu berücksichtigen, wobei es sich allerdings herausgestellt hat, daß es sich im älteren Jüdisch-Deutschen nur um ober- und mitteldeutsche Dialekte handelt. Doch zeigt schon die in Krakau 1586 erschienene Paraphrase des Hohenliedes wie auch die daselbst 1589 gedruckte zu Esther etwas von ostjüdischem Einschlag, so 28820 (die erste Zahl gibt die Seite des vorliegenden Buches an, die zweite, kleiner gedruckte die Zeile) g e f i h d (für findet), 28921 eberster, 292' der b a r - m i g k e i t, 29215 judischlich, 2933 enikel, 2946 hawck (für hinweg). Noch stärkeres Eindringen des östlichen Jüdisch-Deutsch zeigt die Paraphrase Gehillath Jaägobh (Fürth, 1692), so 26418 und 2Ö94 n e b i c h (slavischen Ursprungs), 2652 und 2Ö926 s e n e n (für sind), 2Ö524 und 27084 g i 1 d e n (für gülden), 2Ö68 g e f i n e n (für finden), 2Ö64 maslig, 2Ö619-krenk, 2Ö625 und 27oie heint, 269° ausgestanen; 26915 1 i g n e r e (für Lügnerin), 27013 und 27020 m e i n s t e r , 27014 soreg (für Sorge), 27024 tunen (für tun). Bei der Transkription des jüdisch - Deutschen in die deutsche Schrift war der Germanist der zuverlässige Berater des Hebraisten. Wohl hat Staerk die Hauptarbeit getan, die Sammlung des Stoffes nicht allein aus vielen zum Teil äußerst seltenen Drucken, sondern auch aus zusammen 18, teilweise schwer leserlichen Handschriften, ferner die Bearbeitung und literaturgeschichtliche Darstellung, aber Leitzmanns Leistung, obschon sie im Buche nicht gesondert hervortritt, hat viel zum Gelingen beigetragen. Denn die sprachwissenschaftliche Begutachtung der aus dem Hebräischen umgeschriebenen Texte und Worte hat dem Buche ohne Zweifel viele Irrtümer erspart und die Zahl der unsicheren Entzifferungen oder gar unrichtigen Transkriptionen aufs äußerste herabgemindert. Gegen die Art aber, wie die hebräischen Wörter der jüdisch-deutschen Texte transkribiert sind, möchte ich begründete Einwendung erheben. Es wirkt nur störend, daß die in der Wissenschaft übliche Umschrift im Hebräischen hier zur Anwendung gekommen ist. Niemals und nirgends hat der deutsche Jude die von ihm in seine Umgangssprache eingeflochtenen hebräischen Wörter s o ausgesprochen, also z. B. niemals galuth mit Betonung der letzten Silbe, sondern immer nur goles mit Betonung der vorletzten und Verflüchtigung des langen u der letzten Silbe zu einem tonlosen e. Das weiß Staerk natürlich ganz genau. Aber er gibt zu bedenken (S. X), daß bei den Juden die Unterschiede in der Aussprache im Hebräischen noch viel größer sind als im Jüdisch- Deutschen, und daß es nicht einmal unter den aschkenasischen Juden eine einheitliche Aussprache des Hebräischen gibt. Das erste ist richtig, wo es sich um Juden verschiedener Länder handelt, nicht aber wo nur aschkenasische Juden in Betracht kommen, wie es hier der Fall ist. Das zweite ändert nichts an der Tatsache, daß die Aussprache der ins Jüdisch- Deutsche nicht als Fremd-, sondern als Lehnwörter übergegangenen hebräischen Ausdrücke im Munde der deutschen Juden im wesentlichen unzweifelhaft feststeht, und zwar ist es nicht die sonstige aschkenasische Aussprache des Hebräischen, sondern eine spezifisch jüdisch-deutsche, die nicht nach den Regeln der hebräischen Grammatik, sondern nach denen der deutschen Sprache sich gerichtet hat. Die vorletzte Silbe hebräischer Wörter, außer wenn sie aus einem Buch- V staben mit Swa mobile (einem flüchtigen Halblaut e) besteht, zieht im Jüdisch- Deutschen den Wortton dermaßen stark an sich, daß der Vokal der letzten Silbe, auch wenn er von Natur lang ist und betont gesprochen werden müßte, dadurch nicht nur verkürzt, sondern zu einem tonlosen e verflüchtigt wird. Also z. B. sawande sore stfabhodah zarah, bocher st. bhaur, chachomem st. hakhamim, chalaumes st. halomoth, choßen st hathan, gaurel st. goral, gechaßmet st. gehathamt, korew st. garobh, newelß st. nebhiuth, nigen st. niggun, oweß st. abhoth, rebbauße st. rabbothaj, ja sogar emmes st. emeth, chaser st. hazir, dagegen reschuß st. reschuth, schtuß st. setuth u. dergl. Dialektische Abweichungen in der jüdisch-deutschen Aussprache hebräischer Wörter hat es vor dem Eindringen des östlichen Einschlags in das jüdisch-deutsche Sprachgebiet nur ganz vereinzelt gegeben. So wissen wir z. B. daß die elsaß-lothringischen Juden das o in der vorletzten Silbe hebräischer Wörter im Jüdisch-Deutschen mit Vorliebe in au umgewandelt, also st.

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