Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Pforte des Ostens [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 241 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Die Pforte des Ostens 241 diese Zeit hineinragen: wie der Panislamismus, werden nun von den einzelnen neuerstandenen, nationalen Bewegungen zerrissen. Während diese nationale Idee Gebiete, die bisher religiös gespalten waren, wie Indien, zu einer nationalen Einheit zu führen versucht, wirkt sie in dem bis nun religiös geeinigten vorderen Orient, in Ägypten, Arabien, der Türkei, zersetzend. Gerade über dieses Gebiet liegt jetzt eine vorzügliche, einführende Studie vor.1) Sie ist das Werk eines englischen Theologen, der Dozent für semitische Sprachen an der Universität von Bristol ist. Sie empfiehlt sich sowohl durch eine vorbildliche Unparteilichkeit, wie durch Sachkenntnis. Sie ist nur eine kurze Einführung, aber desto besser läßt sie die leitenden Ideen hervortreten, wie die islamische Welt in den letzten Jahren mit den Einflüssen Westeuropas zusammengestoßen ist und wie sich unter diesen Umständen die Welt des Islams veränderte. Der Fall des Kalifats, der Verzicht der jungen türkischen Republik auf alle panislamischen Traditionen, die Proklamation des Kalifats durch den Emir von Mekka gerade in einer Zeit, da seit Jahren das stärkste einigende Band aller mohammedanischen Sekten, die Pilgerfahrt nach Mekka, abnimmt, das Erwachen einer mohammedanisch puritanischen Sekte in den Wahabiten, die in vielem an die biblischen Rechabiter erinnert, der Einfluß des an der Grenze Asiens und Europas sich entwickelnden Bolschewismus,2) all diese verschlungenen Linien unserer Zeit und ihre historische Entwicklung werden hier dargelegt. Den arabischen Nationalismus der letzten Jahre allein untersucht ein anderer englischer Schriftsteller3) in einer Studie, die *) „Islam at the Croß Roads." A brief survey of the present position andproblems ofthe World of Islam. By Dr. Lacy O'Leary. Kyan Paul, Trench, Teubner & Co., London 1923. 2) Siehe mein Buch „Sinn und Schicksal der Revolution", E. P. Tal Verlag, Wien 35924. Heft 4 die arabisch-nationale Bewegung der letzten fünf Jahre in Mesopotamien, Syrien und Palästina darstellt. Geht diese Untersuchung auch nicht ins Detail der zugrundeliegenden Motive, wie es erwünscht wäre, so gibt sie doch eine historische Darstellung der Vorgänge und den Text wichtiger Dokumente, sie kann als eine vorzügliche Einführung in die jüngste diplomatische und politische Geschichte seit Kriegsausbruch gelten, und dies durch einen Mann, der in offizieller Stellung mit diesem Abschnitt der Geschichte verbunden war und dessen Bemühen nach Unparteilichkeit anerkannt werden muß. Aber jedes genauere Studium dieser Art zeigt uns, wie weit Asien selbst in kleineren Gruppen von einer Einheit heute entfernt ist. Asiens Einheit ist eine zeitliche, Jahrhunderte vor Europa trat es in die Geschichte ein, Jahrhunderte blieb es dann unberührt von der europäischen Entwicklung seit der Renaissance und jetzt, zu gleicher Zeit, stehen die verschiedensten asiatischen Völker in einem ähnlichen Erwachen und Abwehrkampf gegen Europa. Aber selbst diese Einheit ist fraglich, ist in ihrer Gesamtheit Auswirkung eines größeren, überasiatiscen Prozesses. ' Darum wird es für uns richtiger sein, unseren Blick vorerst auf den vorderen Orient zu beschränken, in dem durch Religion, Sitte und Geschichte eine tatsächliche Einheit vorzuliegen scheint. * * * Der vordere Orient (aber nicht nur dieser, auch ganz Asien und Europa — und wohl auch andere Länder und Rassen, die nicht in unseren, ach so engen, Gesichtskreis fallen) ist in einem Zustand des Überganges. In diese Zeit fällt die Rückkehr eines Teiles des jüdischen Volkes,- das sich selber in einem Gestaltwandel befindet, in den Orient. Daraus ergibt sich eine Reihe praktischer Folgerungen, deren andeutende Formulierung versucht sei, und 3) J. de V. Lodder, „The Truth about Mesopotamia, Palestina and Syria". Allen and Unwin, London 1923. Der Autor ist Antizionist. x6