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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 4 · p. 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Die Pforte des Ostens [Rezension]
Date
1923-01-01
Page
240 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen: Die Pforte des Ostens 240 Belehrung über das Leben der Araber und des Orients, über ihre Strebungen, Sitten und Lehren gebracht hätten. Mit seinen Forderungen stimme ich weitgehend überein und habe das bereits mehrfach dargelegt. Wir danken Hoeflich die erste, scharfe Formulierung dessen, was wir „Araberfrage in Palästina" nennen. Er hat das Problem in seinem wahren Lichte gezeigt. Er sagt mit Recht, „daß Palästina kein jüdisches Palästina, daß es keineswegs so jüdisch wie England englisch werden kann und daß ein arabisch-jüdisches Palästina die vornehmste Krönung kühnster Träume ist, wenn es zur Gemeinschaft friedlich miteinander lebender arabischer und jüdischer Gemeinden "wird.*4 Als Hoeflich und auch ich (1919) dies das erstemal sagtenf war es wie eine Ketzerei; heute sind die Kreise derer immer größer, die es, Sei es auch mit Vorbehalten und Hintergedanken, als die einzige praktisch mögliche Politik bezeichnen. Auch die meisten von - Hoefiichs Grundeinstellungen, vor allem seine Ansichten über Regierung und Militär erwecken Zustimmung. Aber in seiner Liebe für den Osten geht er, was bei Liebenden verzeihlich ist, zu weit. Das komplexe Problem englischer Kolonialpolitik darf nicht so vereinfacht werden. Und ebenso seine Stellung der „Europäisierung" gegenüber. Es geht zu weit, wenn Hoeflich schreibt: „Der panasiatischen Idee entspricht die Überzeugung, daß der Osten allein jene Anlagen besitzt, aus denen eine Verwirklichung göttlicher Hoffnungen, eine Vergöttlichung der Menschheit erblühen kann." Dies ist ein Hochmut, der ebenso unberechtigt ist wie der Hochmut der europäischen Nationen. Wenige Gemeinschaften gibt es, in denen eine Vermenschlichung oder Vergöttlichung der Menschheit, soweit man sich darunter etwas vorstellen kann, in solcher Reinheit erfolgt ist wie in den anglosächsischen Quäkern. Neben dem Osten steht gleichberechtigt der Westen, Verfehlungen und Verirrungen gab es dort wie hier, und wenn auch die jedes menschliche Gewissen erdrückende Organisationsmacht der westlichen Nationalstaaten uns widerwärtiger ist als die unbeschränkte Tyrannei östlicher Despoten, so ist dies wahrscheinlich damit zu erklären, daß wir jene kennen und diese nicht. Aber Wege zu Gott wurden und werden hier gegangen wie dort und was uns vorschweben sollte, ist eine Menschheit, die auf keines ihrer Elemente verzichtet, auch nicht auf die dumpfe Naturnähe des Negers, und nicht mehr sondert und scheidet, es sei denn nach der Stärke, mit dem in jedem einzelnen die Stimme des Gewissens, das immanente Sittengesetz, sich durchsetzt. Es liegt uns fern, eine „metaphysische" Einheit des „Geistes des Orients" von vornherein abzulehnen, aber es scheint uns, daß Hoeflich sich über die politisch-geistige Einheit Asiens bis zu einem gewissen Grade täuscht. Die europäischen Völker sind einander näher, in jeder Hinsicht verwandter als die asiatischen Rassen, und doch: welche Unterschiede zwischen ihnen — und wie weit sind wir noch von der Idee „Europa". Nun besteht die Hoffnung, daß der europäische Staatenbund einmal und in nicht zu ferner Zeit Wirklichkeit werden wird, und daß auch zwischen ihm und Asien und Amerika keine Grenzlinien, keine politischen Grenzlinien mehr sein werden. Aber das Übel, das dem entgegensteht, der politische Nationalismus, macht heute, wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe1), eine (hoffentlich letzte) krampfhafte Steigerung im Westen durch; im Osten dagegen beginnt er erst in Erscheinung zu treten. Die Einheit „Europa" hat einmal auf religiös-politischem Gebiete bestanden, die Einheit Asien noch nie. Aber auch die großen religiösen Einheiten, die im Orient bestanden haben und schon etwas verblaßt in *) S. mein Buch „Nationalismus", R. Löwit Verlag, Wien 1922. Ebendort auch über meine Stellung zur Araberfrage.

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