Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Pforte des Ostens [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 239 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BEMERKUNGEN DIE PFORTE DES OSTENS Vor mir liegt Eugen Hoeflichs neues Buch1). Das Buch eines, den man persönlich kennt und dem man freundschaftliche Sympathie entgegenbringt, soll man nur anzeigen, wenn man in seinen Gedankengängen Verwandtes fühlt und daneben manches, das man ablehnen muß, und wenn man gerade aus dieser Scheidung und Sonderung zu klarerer Erkenntnis eigener Stellungnahme gelangt. Denn das Beste an einem Buche, das weder rein dichterische Gestaltung noch kenntniserweiternde Wissenschaft ist, also an einem von persönlichem Erleben durchzitterten Buche ist, daß es uns nicht nur zur Klarheit über den Verfasser verhilft, sondern auch über uns und über manches, was über beide weit hinausragt. Die „Pforte des Ostens" zerfällt in zwei Teile: einen politischen und einen dichterischen. (Beide Bezeichnungen sind nur grobe Verallgemeinerungen.) Beide dienen (soweit Dichtung dient) dem gleichen Sehnsuchtsbilde: Panasiatismus. Die politischen Aufsätze sind zum größten Teil hier zum ersten Male veröffentlicht, die dichterischen Beiträge sind ein Neuabdruck des ersten Buches, das der Verfasser herausgegeben hat: „Der Weg in das Land". Ich halte Eugen Hoeflich für einen Dichter. „Ich halte" ist falsch ausgedrückt, er prägt sich als solcher jedem Leser auf. Nirgendwo ersteht der Orient so lebendig in jüdischen Büchern wie in manchen Skizzen aus dem „Weg in das Land" oder aus „Feuer im Osten"2). Hier ist Palästina, das wirkliche *) „Die Pforte des Ostens". Benjamin Harz Verlag, Berlin-Wien 1923. 2) Im Verlag E. P. Tal, Wien 1920. Auch Palästina, in seiner hinreissenden, orientalischen Schönheit. Nicht die anerkennenswerte Organisationskraft Tel-Awiws, nicht die Hingabe der Boden urbar machenden Pioniere (denn all dies ist nur ein Ausschnitt Palästinas, ein erst jüngst dazugekommener, uns sehr teurer, so teuer, daß er ins Riesengroße wächst und uns das andere, das eigentliche Palästina verdeckt), sondern Palästina mit seinem uralten, orientalischen Rhythmus, Jerusalem, Safed, Hebron, die Steinwüste, die Palme, das Kamel. Ich stelle mir vor, daß junge Menschen diese Skizzen sehr lieben können, daß sie darin etwas von einem Erdgeruche spüren, der mit dem Palästina ihrer Träume verbunden ist. Seit ich Eugen Hoeflichs Novelle „Der Meister" *) gelesen habe, warte ich auf Erzählungen von ihm aus dem arabischen Leben Palästinas. Diese Erzählungen wären auch eine politische Tat. Dichter treiben oft bessere Politik als „Politiker". Ihre Politik ist weitreichender, menschlicher, zukunftsreicher. Es ist kein Zweifel, daß Bernard Shaw einem Lloyd George, Romain Rolland einem Clemenceau auch auf dem Gebiete der Politik vorzuziehen sind. Dennoch werden jene politische Aufsätze gerade in dem rein „Politischen" nie die Kraft und die Reife der Aufsätze dieser Männer erreichen. Eugen Hoeflichs Aufsätze hätten uns mehr gegeben, wenn sie statt nur um eine Idee zu kreisen, uns Aufklärung und in diesem Buche liebe ich die rein dichterischen und dabei so menschlichen Skizzen (z. B. Der ermordete Hund, Kamel Schejtanf Hundert Affen tot usf.) mehr als die Aufrufe des letzten Teils. *) „Neue Rundschau", Berlin, Jänner 1923.