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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 4 · p. 237

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Zwei Erzählungen
Date
1923-01-01
Page
237 (sequence 7)
Language
German
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Zwei Erzählungen 237 seitigt hatten. Sie beseitigten den ganzen Schutt und blickten hin und sieh, vor ihnen liegt ein großes Dach. Da kam die ganze Stadt zusammen, es zu sehen. Sie sprachen: Sb ein großes Dach! So eiti großes Dach! Darunter muß sich ein Palast befinden, und dieses ist das Dach des Palastes. Da dachten sie anfangs an die Begebenheit mit einem Grafen, desseft Weib ihre Augen auf andere geworfen hatte, und er lud alle ihre Liebhaber und gab ihnen ein großes Mahl, nach eines Grafen Vermögen, und während sie aßen und tranken und trunken wurden, befahl er seinen Knechten, und sie räucherten alle Fenster und Türen aus. Da gingen alle zügrunde und starben durch Ersticken. Sie fürchteten sich dort heranzugehen; da kam ein Befehl der Regierung, nachzugraben. Da gruben sie auf dem Berg rings um das Dach herum, und mehrere scharlachrote Fenster wurden aufgedeckt. Da erkannten sie, daß es ein Gotteshaus war, und trieben die Juden fort, denn sie sagten: es ist heiliger Boden. Und zwischen Mincha- und Abendgebet hört man im alten Lehrhaus lange Seufzer: wer weiß, vielleicht ist es eine Synagoge! Wir finden ja in den Bescheiden der Rabbinen: Buczacz bei Jaslowitz. Folglich war Jaslowitz größer als Buczacz, und war eine bedeutende Stadt in Israel. Und war es groß, und war es eine bedeutende Stadt in Israel, wo ist seine große Synagoge? Außer den vielen Grabsteinen gemahnt kein Zeichen an die Juden, die hier wohnten. Und das alte Lehrhaus, wie klein ist doch! Die Decke neigt sich und fällt nach unten ab, und der Boden, der unter Schutt liegt, hebt sich immer mehr. Und in der Stunde, da das Herz Israels voll ist der Erhebungen Gottes, ist der Ort wirklich zu eng für die volle, übervolle Hand, die ausgestreckt ist, seine Größe, er sei gelobt, zu verkünden. Die Pulte faulen immer mehr, der Tisch des Vorbeters vermodert und zerfällt, schon nimmt man von ihm Stäubchen ab, sie auf die Wunde der Beschneidung zu streuen. Einsam verkommt die heilige Lade, der Vorhang zittert auf der Lade wie eine Braut, die weint, und von den Zwillingstauben auf der Tür der Lade, dem geheimen Bilde der Gemeinde Israel, sind schon die Flügel abgefallen. Und kein Pfennig ist da zur Herrichtung des Hauses. Sieh, die „furchtbaren Tage" kommen, die Bewohner der Stadt waren, unberufen, fruchtbar und mehrten sich. Schon im vergangenen Jahre fanden sie keinen Platz im Lehrhaus, um wieviel weniger jetzt? Und auf dem Berge graben sie und graben und immer mehr von einem herrlichen Gebäude kommt zum Vorschein. Und geht die Sonne des Elul über den scharlachroten Fenstern auf, sieh, übergießen sie alle Kreatur mit mancherlei schönen Farben des Lichtes. Alte Zeiten — alte Paläste! Nur wenige Tage gingen hin, bis der ganze Berg ringsum durchgraben war. Der ganze Berg war durchgraben und das Haus stand auf seiner Stätte. Und sie fanden die Tür, und sieh, sie war verschlossen. Und sie holten Schlosser und Zimmermann. Und die Männer mühten sich, aber die Tür

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