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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 4 · p. 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Zwei Erzählungen
Date
1923-01-01
Page
236 (sequence 6)
Language
German
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236 s. J. Agnon: Sogleich entbrannten ihre Herzen, sie knöpften ihre Röcke oben auf und prüften ihre Schaufäden, ob sie in Ordnung seien, und kamen überein, daß, Gott behüte, keinerlei Haß, Feindschaft noch Hader unter ihnen sein solle — denn nur des grundlosen Hasses wegen, der in Israel bestand, ward ja das Heiligtum zuletzt zerstört — und sie begannen an dem Bau zu schaffen. Der bringt eine Tasche voller Lehm, und der einen Mund voll Wasser, der einen Stein und der einen halben Ziegel, und bis sie den Schamir fänden, konnten sie ja die Steine mit ihren Zähnen zerbeißen. Sie legten sich der Länge nach zu Boden und gruben, der mit einem Stein und der mit seinen Fingern. Ihre Hände waren voller Arbeit und ihr Mund voll Sang: Der Erhabene bau' sein Haus in Bälde, ja in Bälde Gott, erbau, ja erbau doch dein Haus in Bälde. Der Sohn des Totengräbers sagte, da nun das Heiligtum gebaut wird, sieh, werde auch der Erlöser kommen, und die im Staube schlafen, wachen auf, da werde die Welt keine Grabmäler mehr brauchen und sicher werde ihn sein Vater nicht daran verhindern, und nähme er auch alle behauenen Steine fort, die dastehen, daß man aus ihnen Grabmäler auf den Gräbern der Toten mache. Und der Sohn des Rabbiners versprach auf sein Ehrenwort, ihnen ein großes Buch zu bringen, groß wie ein Band Gemara, in dem sich ein Bild des Heiligtums und seiner Geräte finde, damit sie ein Muster hätten für den Bau des Hauses. Und nicht nur dies, sondern morgen werde er sogar das Futteral der sabbathlichen Kopfbedeckung seines Vaters, des Rabbiners, bringen, das aus Kupfer sei, und sicher finde man nichts Schicklicheres als es, daraus den kupfernen Altar zu machen. Während sie gruben, stießen sie auf ein Stück Holz. Sie gruben weiter, da fanden sie etwas wie einen Dachziegel im Boden, und freuten sich über den Fund und begannen mit aller Kraft ihn herauszuziehen, die einen von dieser Seite, die anderen von jener; diese wie jene riefen singend: ach Ewiger hilf doch! Da kam der Lehrer heraus auf ihr Rufen. Sprachen sie: Rabbi, einen Dachziegel haben wir gefunden! und ließen nicht ab und hörten nicht auf, bis sie noch einen Ziegel fanden. Das sah der Lehrer und bückte sich selbst, durchsuchte den Boden, so weit seine Hand reichte, und fand viele Ziegel, die miteinander verbunden waren wie ein Dachfirst. Da sagte er: Hilfe vom Himmel! Die Regentage nähern sich und kommen, und Er, sein Name sei gelobt, schickt mir etwas, um das Dach meines Hauses auszubessern. Inzwischen neigte sich der Tag zum Abend, der Lehrer sammelte seine Schüler und schickt^ sie heim, und bis die Zeit des Minchagebetes kam, ging er mit denen, die zu seinem. Haus gehörten, hin, um in dem Berg zu wühlen. Sie gruben und fanden Ziegel über Ziegel. Sie gruben weiter: Ziegel über Ziegel. Ist keine Zauberei im Spiele hier, ist vielleicht das Dach eines Hauses hier. Nur wenige Tage gingen hin, bis sie den ganzen Schutt be-

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