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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 4 · p. 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Zwei Erzählungen
Date
1923-01-01
Page
235 (sequence 5)
Language
German
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Zwei Erzählungen 235 Lehrhaus ein, und es war Montag und in einem Moment, da Gott zürnte, und das Zeichen des Skorpions ging schon zum Schützen hin, im Jahre 1847 nach der Zerstörung des Hauses unseres Gottes. Und sie umringten diesen Mann Asriel Mosche. In dieser Stunde wandte Asriel Mosche sein Gesicht nach oben und richtete sein Herz auf seinen Vater im Himmei und sagte zu ihm: „Herr der Welt, nimm doch meine Seele, so lange mein Sinn noch klar und mein Herz ganz bei dir ist, damit ich — bewahre der Himmel — den Gott Israels nicht verleugne/* Und er erkannte Gottes Ratschluß an und streckte seinen Hals den Schlächtern hin. Sie faßten ihn und henkten ihn an dem Strick, der an seinen Lenden war, und an seinem Barte auf. Und sie ließen nicht ab, bis sie ihm die Augen ausgestochen und die Zunge ausgerissen und die Finger zerstückelt hatten, und kehrten das ganze Haus um und fanden die Bücher und rissen all die Bücher in ihrer Wut in Stücke und zerstreuten sich über die ganze Stadt, auszurotten und umzubringen, zu morden und zu schlagen, zu vertilgen und zu vernichten alle Juden dort. Und dieser Mann Asriel Mosche hing an seinem Barte, bis Elia kam — zum Guten sei seiner gedacht — und ihn herunterholte, und die Stücke seiner Hände sammelte und die Glieder seiner Finger, und ihm das Augenlicht wiedergab und ihm die Zunge wieder in seinen Mund einsetzte und ihn auf seine Füße stellte und zu der Höhle Rabbi Gadiel des Kindes brachte. Sogleich erhob sich Rabbi Gadiel das Kind und zog Kleider der Rache an und brachte ein großes und furchtbares Buch aus der Höhle und zeichnete mit dem Ruß vom Rauch der Scheiterhaufen jener, die für die Heiligung des Gottesnamens verbrannt worden, alles auf, was die Frevler an diesem Mann Asriel Mosche getan, und er ging ihm entgegen und gab ihm den Friedensgruß und flocht ihm eine Ruhmeskrone und brachte ihn in den Bereich der zehn Märtyrer, des Rabbi Akiba und seiner Freunde, und weil er den Namen eines jeden Buches kannte, stellten sie ihn dort beim Bücherschranke hin, und dieser Mann Asriel Mosche steht dort und bedient sie. Bis hierher lautet die Geschichte von Asriel Mosche dem Lastträger, welcher Asriel Mosche, der Bücherwart ist. II. Die große Synagoge. Wie groß ist deine Güte, die du verbärgest denen, die dich fürchten. (Ps. 31) Die Kinder aus der Schule spielten nachmittags an einem Sommertage im Hof der Schule auf dem großen Berg: Versteck, die Alte und der Bär, Vierzig Räuber, Drei Brüder, Davids Kampf mit Goliath, und den Priester, der die Krieger auswählt, bis sie dieser Spiele müde wurden und darauf sannen, das Heiligtum zu bauen. Sie sagten: gestern war ja Tischa b'ab, der Tag, an dem die Feinde das Haus zerstörten, nun wollen wir anfangen es wieder zu bauen.

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