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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 4 · p. 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Zwei Erzählungen
Date
1923-01-01
Page
234 (sequence 4)
Language
German
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*34 S. J. Agnon: änderte sich die Ordnung seines Lebens. Und zankte sein Weib ihn aus, so dachte er angestrengt an die Namen der großen Männer, und schmähte sie nicht zurück. Und weil er seinen Schimpf hörte und nicht antwortete, riß auch sie ihre Leidenschaft immer weniger fort, ihm zu fluchen bis Friede zwischen ihm und ihr war. Ja mehr: sie begann ihn zu achten und rühmte sich seiner vor ihren Nachbarinnen. Und auch die begannen, ihm Ehre zu bezeugen, und kamen zu ihm, und jede Frage in Dingen der Zeitrechnung wie: Wann fällt dieser Festtag, wann fällt jene Jahrzeit? brachten sie vor ihn. Und er streicht seinen Bart und antwortet: Warte, ich will im Kalender nachsehen! Und steht auf und nimmt den Kalender vom Bord, sieht darin nach und gibt Antwort, bis er schließlich einen Ruf von einem Ende der Stadt bis zum andern hatte. Ja, mehr: mitunter lud er einen Gelehrten an seinen Tisch, und es ist klar, daß dieser nicht nach Art der Gierschlünde aß, die den Segensspruch eilends aus dem Munde schleudern, und sich die Speise voller Eifer zum Munde führen, sondern er aß gesetzt und an einem ausgebreiteten Tischtuch, und ehrte Gott mit seiner Kehle, das ist mit einem schönen Lied. Und zwischen den Gängen erzählte man schöne Geschichten von den Zaddikim, an seinem Tisch, und Asriel Mosche gab acht, irgend eine gute Tugendregel zu lernen. Und wir haben wahrheitsliebende Männer gehört, die ihn kannten und bezeugten, daß „dieser Mann Asriel Mosche ein ansehnlicher Mann geworden ist, und seinem Gesichte nicht anzumerken war, daß er nur ein einfacher Mensch war. Und sieh und lies, was in dem heiligen Buche „Die beiden Bundestafeln" geschrieben steht und du wirst staunen. So sind seine Worte: „Ich habe gelesen und eine Überlieferung empfangen, auch wenn einer unwissend ist, und diese Namen — das sind die Namen der Weisen und ihrer Bücher — liest und hat Lust zu ihnen und weint, daß er sie nicht versteht, so ist er bei Gott in Gnade angenommen und wird teilhaben an ihnen in der messianischen Zeit." Und siehe, als viele Jahre danach die Könige auszogen, Krieg miteinander zu führen, da kam eine Horde Barbaren in die Stadt des Asriel Mosche. Da flohen Viele aus Israel in Wälder und Felder, und der Rest nahm das Gericht Gottes auf sich, wem das Schwert bestimmt war, das Schwert, wem der Hunger, den Hunger, und Israel zerstob. Dieser Mann Asriel Mosche aber lief zum großen Lehrhaus, und nahm viele Säcke und füllte sie mit Büchern und versteckte sie, damit Esaus Hände sie ja nicht verunreinigten. Und täglich stärkte er sich im großen Lehrhaus in Gebetmantel und Fasten und rief die Namen der Mischnalehrer und Thalmudlehrer, und die Namen der übrigen Großen Israels, der Heiligen Gottes, und die Namen ihrer heiligen Bücher, bis der Feind eindrang. Er sah den Asriel Mosche und seinen Bart und entsetzte sich vor ihm, wie es heißt: Alle Völker der Erde werden sehen und dich fürchten. Sogleich floh er vor Todesangst. Sprach zu ihm sein Oberst: Hast du dort Gericht gehalten? Sagte er zu ihm: Einen Greis sah ich dort, — und Angst hat mich erfaßt. Sogleich sammelte der Oberst all seine Scharen und drang mit ihnen ins

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