Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1923-01-01 · Heft 4 · p. 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Zur Frage der Selbstregierung Palästinas
Date
1923-01-01
Page
211 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3101111-3101201-3101206-3109088--6911-3109130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Frage der Selbstregierung Palästinas die Autorität des Waad nicht anerkennt. In manchen Kreisen herrscht die Meinung, daß kein Jude sich von der jüdischen Gemeinschaft ausschließen kann, ebensowenig wie sich irgend ein Bürger dem lokalen Machthaber entziehen kann. Dies ist jedoch eine extreme Anschauung, die nicht allgemein anerkannt wird. Es kann gar nicht ernstlich in Frage kommen, daß man Einzelpersonen gegen iffren Willen in eine kommunaJe Organisation hineinzwängt. Aber da nun einmal feststeht, daß der Waad Leumi die überwältigende Majorität der jüdischen Bevölkerung hinter sich hat, so dürfte diese Schwierigkeit nicht unüberwindlich sein. Es ergeben sich aber viel ernstere Schwierigkeiten. Denn weder die Christen noch die Araber haben die gleiche Stufe der Organisierung erreicht wie die Juden. Die ,,Moslemisch-Christliche Vereinigung" ebenso wie der „Oberste Moslemische Shariarat" — eine gesetzlich anerkannte Körperschaft — stellen wirklich in ihren verschiedenen Sphären d i e arabische Meinung dar. Aber keine dieser Körperschaften ruht auf derselben Grundlage wie der Jüdische Nationalrat. Die Anerkennung des Jüdischen Nationalrats als gesetzliche Körperschaft würde keineswegs den Interessen der anderen Gemeinschaften zuwiderlaufen. Sie würde sie vielmehr ganz unberührt lassen. Trotzdem würde man eine gewisse Verlegenheit nicht unterdrücken können, wenn man den Juden eine innere Autonomie gewährte, die dann die anderen wahrscheinlich auch fordern würden, ohne aber, nach allgemeiner Übereinstimmung, dafür reif zu sein. Wenn so auch das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung anerkannt werden sollte — dies würde einen Wendepunkt in der englischen Verwaltung bedeuten —, so beständen doch offensichtliche Schwierigkeiten gegenüber der Erfüllung der jüdischen Forderung. Diese Forderung wird noch durch gewichtige Erwägungen unterstützt. Das Mandat erstrebt die Anerkennung der Juden als nationale Einheit. Für eine solche Anerkennung sind sie im allgemeinen reif. Was sie fordern, ist das Recht, ihre eigenen Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen. Sie verengen nichts, was man als Angriff a.uf „die bürgerlichen und religiösen Rechte der nicht jüdischen Gemeinschaften" betrachten könnte. Darum geht der Streit. So gewichtig die Forderung auch ist und so nachdrücklich sie auch verfochten wurde, so hat sie sich noch nicht durchgesetzt, und der erste Schritt in der Richtung auf kommunale Selbstverwaltung hin bleibt noch zu tun. III. Nationale Selbstverwaltung. In seiner Antrittsrede vom 7. Juli 1920 kündigte der Oberkommissar an, daß seine Absicht sei, sofort einen Advisory Council zu ernennen, der aus wenigen Personen bestehen solle, vor allem aus Vertretern der Regierung, aber auch aus unbeamteten Mitgliedern, die aus verschiedenen Schichten des Volkes ausgewählt werden sollten. „So", bemerkte er, „war in vielen Teilen des englischen Reichs der erste Schritt auf dem Wege zur Selbstverwaltung. Ich zweifle nicht daran, daß sich in Palästina im Laufe der Zeit eine ähnliche Entwicklung von diesem Anfang herleiten wird." *4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.