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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 3 · p. 175

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Karl Marx als Jude
Date
1923-01-01
Page
175 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Karl Marx als Jude 175 Engels in seiner Schrift über Feuerbach im Jahre 1888 ausgegraben.) Diese Verdoppelung ist nach Marx nur möglich, wenn die wirkliche Welt, in der der empirische Mensch lebt, sich selbst widerspricht, in sich selbst zerrissen, kurz: höchst übel beschaffen ist. Daß sie aber so übel beschaffen ist, liegt ausschließlich daran, daß es zwei sich widersprechende Formen menschlichen Zusammenlebens gibt: den Staat und die bürgerliche Gesellschaft. Die Art, wie sich beide widersprechen, wird an einem treffenden Beispiel gezeigt: Der vollendete Staat — das ist selbstverständlich der demokratische — hebt das Privateigentum in seiner Sphäre auf, indem er das zensusfreie, gleiche, allgemeine Wahlrecht einführt. Er hebt das Privateigentum aber nur darum in seiner Sphäre auf, damit es in der bürgerlichen Gesellschaft eine um so größere Rolle spielen kann, denn „die Vollendung des Idealismus des Staates war zugleich die Vollendung des Materialismus der bürgerlichen Gesellschaft". Solange der Mensch innerhalb des Staates sein himmlisches Leben führt, in dem es auf die Wohlfahrt aller ankommt, der Mensch sich als Gemeinwesen gilt — und zugleich innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft sein irdisches, in dem er als Privatmensch tätig ist, die anderen Menschen als Mittel betrachtet, sich selbst zum Mittel herabwürdigt — solange bleibt das Dasein der Religion bestehen, deren Quelle das Dasein dieser mangelhaften Verhältnisse im menschlichen; Gemeinschaftsleben ist. Da Marx ja nur die Frage interessiert, wie es auch nach Trennung von Kirche und Staat möglich ist, daß die verdammten Religionen nicht aufhören wollen, zu existieren, so wird die Frage nach der Entstehung der Religionen gar nicht erörtert. Daß es eine Religions geschichtegibt, ebensowenig. Es gibt Millionen von Menschen, die da glauben, heute noch nach den Vorschriften zu leben, welche die Sinaigemeinde vor 3000 Jahren unter Donner und Blitz mit dem Ewigen durch B'rith vereinbarte. Unter ihnen waren zu Marx Zeiten keine Hundert, die sich des von ihm aufgedeckten Widerspruchs zwischen dem Dasein des Menschen im vollendeten Staate und in der bürgerlichen Gesellschaft bewußt gewesen wären, oder ihn auch nur unbewußt empfunden hätten. Es wäre leicht für Marx gewesen^ diese Menschen empirisch zu studieren. Eingehüllt in die Sicherheit seines, philosophischen Systems hält er das für überflüssig, und verkündet denen, die weiter nach den Gesetzen ihrer Religion leben, aber durch politische Emanzipation aus der Parialage befreit sein wollen: Das könnt ihr haben, politisch könnt ihr emanzipiert werden, aber das ist nicht die menschliche Emanzipation, und auf die allein kommt es an. Die politische Emanzipation führt einerseits auf das egoistische, unabhängige, vereinzelte Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, das moralisch zu verwerfen ist; andererseits auf den Staatsbürger, auf „die moralische Person".* Auf die menschliche Emanzipation allein kommt es an, darauf, daß der Mensch in seinem. ganzen empirischen Leben Gattungswesen wird, seine eigenen Kräfte nur als gesellschaftliche organisiert. Die gesellschaftliche Kraft darf von der politischen nicht mehr getrennt sein und zu ihr im Widerspruche stehen. Ist das erreicht, so ist die menschliche Emanzipation erreicht. Das Dasein

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