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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 3 · p. 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Karl Marx als Jude
Date
1923-01-01
Page
174 (sequence 2)
Language
German
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174 E. J. Xesser : fremd. Als er sich 1844 in den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern" zur Judenfrage auf knappen 2 Bogen äußerte, war auch der Anlaß ein äußerer. Da war der radikale Theologe Bruno Bauer, der ihm aus den Berliner Studentenjahren her eng befreundet war; der hatte soeben (1843) zwei Aufsätze „Über die Judenfrage" und „Die Fähigkeit der heutigen Juden und Christen frei zu werden" geschrieben. Diese bespricht Marx in den „Deutschfranzösischen Jahrbüchern". Selbst in dieser, zu einer eigenen Arbeit ausgeweiteten Kritik ist von Judentum und Judenfrage im eigentlichen Sinne nur auf ganz wenigen Seiten die Rede; die glänzende Schrift ist allerdings für den Entwicklungsgang Marxens von höchster Bedeutung. Ein 25 jähriger zeigt hier bereits die ganze Originalität seines Denkens, die Schärfe der -gesellschaftlich-historischen Analyse. Ebenso aber auch die dogmatische Einseitigkeit des systematischen Philosophen, der des wirklichen Menschen nur unter dem Schleier der Abstraktion habhaft wird. Daß aber ,,die wenigen Seiten die turmhohe Literatur aufwiegen, welche seitdem über die Judenfrage erschienen ist" (Mehring), wird nur der finden können, dem neben der sozialen Frage alle anderen verschwinden, für den jeder Mensch völlig beschrieben ist, nachdem er als Bourgeois oder Proletarier eingereiht wurde* Im ersten Teil der Schrift „Zur Judenfrage" benutzt Marx das von Bauer "behandelte Thema eigentlich nur, um seine Ansichten über die Bedingtheit der Religion durch den Staat, vor allem aber über das Verhältnis des Staates zur bürgerlichen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Abhängig ist er dabet zu einem Teil von Hegel — und nicht nur in der Sprache — zum anderen von Feuerbach. Was die beiden geschrieben haben, hält er noch im wesentlichen für richtig. Er zeigt zunächst in höchst treffender Weise am Beispiele Nordamerikas, daß Trennung der Kirche vom Staat, wie wir heute sagen würden, die Religion nicht zum Verschwinden bringt. „In den Vereinigten Staaten existiert weder Staatsreligion, noch eine bevorzugte Religion der Majorität. Es gibt da sogar Staaten, die laut Verfassung die politischen Privilegien verleihen, ohne sich darum zu kümmern, ob der also Begabte sich zu einer Religionsgemeinschaft bekennt, deren Kultus er ausübt. Und dennoch glaubt niemand in den Vereinigten Staaten, daß ein religionsloser Mensch ein Gentleman sein könne." Diese Tatsache dünkt Marx sehr verwunderlich. Um sie zu erklären, schreibt er mit dem Wagemut und der Unbekümmertheit des 25 jährigen den Satz: „Da aber das Dasein der Religion das Dasein eines Mangels ist, so kann die Quelle dieses Mangels nur noch im Wesen dieses Staats selbst gesucht werden." Der harmlose Leser fragt erstaunt, woher weiß man denn, daß das Dasein der Religion das Dasein eines Mangels ist? Und selbst dies zugegeben, warum verursacht denn das Dasein des vollendeten, d. h. des völlig von der Kirche getrennten Staates diesen Mangel? Eine deutliche Antwort auf die erste Frage wird man in der Schrift zur Judenfrage vergebens suchen. Ich finde sie in der 4. These von Marx über Feuerbach: „Feuerbach geht aus von dem Faktum der religiösen Selbstentfremdung, der Verdoppelung der Welt in eine religiöse, vorgestellte und eine wirkliche Welt." (1845 in Brüssel geschrieben, von

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