Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 168 (sequence 21)
- Language
- German
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i6S Arjeh Tartakower: des Arbeiter-Ring" gehört, da in ihm so ziemlich jedes Mittel sauber genug war. Daneben hatte der ,,Arbeiter-Ring" selbst auch durch innere Reibereien und Zwistigkeiten manches zu leiden. Die fortwährende, ununterbrochene Immigration jüdischer Arbeiter nach Amerika brachte einen Teil von ihnen bereits nach kurzer Zeit in den „Arbeiter-Ring", und dieses „Neuen" waren naturgemäß bestrebt, sich Einfluß und Verständnis für Aihre Bedürfnisse in der Organisation zu erkämpfen, was ihnen indes wegen der Engherzigkeit der „Alten", die auf ihre durch die jahrelange Mitgliedschaft erlangten Rechte pochten, nur äußerst schwer gelang. Auch dieser innere Kampf wurde mit großer Erbitterung geführt und hemmte in starkem Maße die in den ersten Jahren glänzende Entwicklung der Organisation. Sonst hatte sie übrigens an ausgesprochenen Partei« kämpfen nicht zu leiden. Wiewohl die Exekutive ganz offen mit dem „Bund" sympathisierte, und in ihrem Organ der Entwicklung dieser Partei und seit 1912 auch der der J. S. F. viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, so traten doch auch viele Arbeiter, die anderen sozialistischen Parteien gehörten, natürlich auch solche, die nur gewerkschaftlich oder sonst überhaupt nicht organisiert waren, in den „Arbeiter-Ring" ein und fühlten sich dort sehr wohl. Die innere Struktur der Organisation, die einer ganz geringen Anzahl von Mitgliedern die Bildung einer eigenen Zweigniederlassung, einer „Brench", mit weitgehender Autonomie in ihrem inneren Leben ermöglichte, trug vieles dazu bei. So bildeten sich denn einerseits besondere „Brenches" von Arbeitern, die aus einer und derselben Stadt in Europa (meist aus Rußland) stammten (z. B. Pinsker oder Homeler Brench des „Arbeiter-Ring"), anderseits Brenches, die Arbeiter aus derselben Partei umfaßten (z. B. ,,S. T.-Brench" des „Arbeiter-Ring" in Rotehester, „Poale-Zion-Brench" des „Arbeiter-Ring" in Chicago u. dgl.). Die verschiedenen Brenches lebten meist in voller Eintracht untereinander, und so kam es im Arbeiterring ebensowenig wie in den Gewerkschaften, zu inneren Parteikämpfen. Nichtsdestoweniger wurde von den nationalen sozialistischen Parteien (den S. T. und Poale-Zion) der Versuch gemacht, eine besondere Selbsthilf eorganisation ins. Leben zu rufen. Sie wurde im Jahre 1910 unter der Bezeichnung „Jüdischer Nationaler Arbeiter-Verband" (J. N. A. V.) begründet und hatte zwei im wesentlichen von einander verschiedene Ziele zu verfolgen: die gegenseitige Hilfe im Falle von Not, Krankheit und Tod zu organisieren und die jüdische Arbeiterschaft im nationalen und sozialistischen Geist zu erziehen. Der Verband stand unter dem starken Einfluß der Poale-Zion. Er besteuerte seine Mitglieder zugunsten der Gewerkschaftsbewegung und der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina, organisierte Sammlungen für den zu jener Zeit begründeten Palästina-Arbeiter- Fonds und arbeitete auch energisch auf kulturellem Gebiet. Bis zum Ausbruch des Weltkriegs hatte er bereits 20 nationale Schulen organisiert und sorgte auch für die Eröffnung von jüdischen Abteilungen in den allgemeinen Bibliotheken. Doch erreichte er bei weitem nicht dieselbe Entwicklung