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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 3 · p. 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
153 (sequence 6)
Language
German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 153 sonderen politischen Partei der jüdischen Arbeiterschaft suchte der „Bund" immer wieder zu beweisen, die Notwendigkeit besonderer jüdischer Gewerkvereine glaubte er, von seiner Grundeinstellung ausgehend, die einen Unterschied der wirtschaftlichen Lage zwischen dem jüdischen und dem nichtjüdischen Arbeiter lange Zeit beharrlich negierte, verneinen zu können. So machte sich denn in der Partei das Bestreben geltend, allgemeine Gewerkvereine ins Leben zu rufen, die sowohl die jüdischen wie auch die nichtjüdischen Arbeiter umfassen könnten und lediglich in ihrer kulturellen Arbeit die nationalen Gruppen voneinander trennen würden. Derartige Gewerkschaften mußten natürlich von der Partei getrennt werden, um Arbeitern verschiedener Nationen den Eintritt zu ermöglichen. Schließlich wirkte auch in starkem Maße das Beispiel Westeuropas, wo Partei und Gewerkschaft von jeher reinlich getrennt waren und wo gerade zu jener Zeit über das gegenseitige Verhältnis dieser beiden Formen der Arbeiterbewegung lebhaft debattiert wurde. Obwohl sich ein großer Teil der Führer des „Bund" unter Hinweis auf die besonderen Bedingungen der Arbeiterbewegung in Rußland gegen die Nachahmung Westeuropas in dieser Hinsicht aussprach, so konnte es doch nicht ausbleiben, daß die in der sozialistischen Literatur immer lauter werdenden Stimmen, die die Unabhängigkeit der gewerkschaftlichen Bewegung und lediglich ihre ideologische Beeinflussung verlangten und einige Jahre später auf dem internationalen sozialistischen Kongreß zu Stuttgart (1907) dementsprechende Beschlüsse durchsetzten, auch auf die Taktik des „Bundes" in dieser Hinsicht zu wirken begannen. Indessen dauerte es ziemlich lange, bis sich diese organisatorische Loslösung zwischen Partei und Gewerkschaft innerhalb des „Bund" vollzog. Noch im Dezember des Jahres 1905 wiederholte das Z.-K. des „Bund" die Losung der von der Partei vollkommen abhängigen Gewerkschaften, die einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens an die Partei abzuführen und gegen deren Beschlüsse die Parteiführer ihr Veto einzulegen das Recht hatten, sofern sie dem Interesse der Partei widersprachen. Doch ließ sich ein derartiger Standpunkt nicht lange aufrechterhalten. Bereits die 7. Konferenz der Vertrauensmänner des „Bund" (April 1906) schaffte diese vollkommene Abhängigkeit der Gewerkschaft von der Partei ab und sprach sich lediglich für personelle, nicht aber für die organisatorische Verbindung von Partei und Gewerkschaft aus. Immerhin verlangte auch sie von den Gewerkvereinen sozialdemokratische Einstellung und Anerkennung der Führerschaft der Partei in politischen Dingen. Auf dieser Konferenz wurde auch der Grundsatz internationaler Gewerkvereine mit nationalen Untersektionen für Kulturarbeit proklamiert, der von nun an *m fester Bestandteil des Aktionsprogramms des „Bund" bleiben sollte, kmen weiteren Schritt tat dann die 8. Konferenz der Vertrauensmänner \August 1910), die sich lediglich für eine gegenseitige ideologische Beeinvjff.un? von Partei und Gewerkschaft, sonst aber für vollkommene Unabhängigkeit der letzten aussprach. Dies bedeutete tatsächlich die völlige

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