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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 3 · p. 141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Landung und Quarantäne
Date
1923-01-01
Page
141 (sequence 5)
Language
German
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Landung"und Quarantäne 141 ist es leicht, zu weinen und im Mißmut nach einer zerfallenen Illusion besteht keine Hemmung vor dem Mitverunglückten. Im Eigenen findet man den Schlüssel zum Fremden: das zerquälte Herz, den schmerzenden Kopf, die überangestrengten Nerven. Nachmittags kam Essen: Brot und Eier, vom Waad Alijah geschickt. Die Frauen wurden ins Bad geführt und bald darnach die Männer. Nach abermals zwei Stunden standen wir alle vor der Westseite des Hauses, wurden wieder geordnet und marschierten ins Quarantänelager. Es dämmerte . Müde und dem Schicksal ergeben, folgte einer dem anderen. Allmählich löste sich der Zug auf; die Schwächeren und Alten mußten im schweren Sande zurückbleiben, hinter sich den Polizisten. Durch den Palmenhain kamen wir zum Zeltlager, wurden vom Kommandanten am Tore empfangen, gezählt, bekamen Decken, Eßgeschirr und gingen zwischen Drahtnetzen in die angewiesene Abteilung. Nachdem alle im Lager waren, teilte man Essen aus. Vor dem Zaun sangen Chaluzim. Ich warf mich auf die Strohmatte und schlief ein. In der Nacht wurde ich oft durch Mückenstiche geweckt, von denen der Körper rot punktiert ist: Jetzt leide ich sehr unter der Hitze. Es ist noch früh, etwa 9 Uhr, aber die Luft ist durchglüht und sandig trocken. Ich liege auf dem Boden des Zeltes, schwach und benommen; von Zeit zu Zeit "muß ich tief, seufzend, Atem schöpfen. Das Trinkwasser ist warm und hat einen öligen Nachgeschmack. Das Essen ist mit Ausnahme des Brotes schlecht. Seit dem 7. nehme ich Chinin, täglich 2 Pillen. Ijef hat mich besucht und mir Zigaretten, Eislimonade und ein großes Leintuch gebracht, die er durch den Diener hereinschickt. Er erzählt mir, daß es in der Stadt 600 Arbeitslose gibt, daß es dort noch heißer ist als hier, daß er gestern gefiebert hat und deshalb nicht gekommen ist; zuletzt gibt er mir Weisungen, wie ich ganz ins Leintuch gehüllt mich vor den Mückenstichen schützen solle, und fügt zögernd hinzu, die Stiche könnten durch die Anophelosfliege zugefügt werden, die Malaria verursache. (Ijef ist als Tourist nach der Desinfektion frei gelassen worden und wohnt bei Freunden in der Stadt.) Das Essen war so miserabel geworden, daß eine Abwehrbewegung entstand. Einige kamen zu mir, damit ich die Angelegenheit in die Hand nehme. Wir beschlossen, aus unserer — kleineren — Hälfte des Lagers 3 Abgeordnete zum Kommandanten zu schicken; die andere Lagerhälfte (von uns durch zwei hohe Drahtzäune getrennt) sollte 5 auswählen und die Deputation sollte fordern: Verbesserung der Kost oder Aufhebung der Quarantäne. Unsere Drohung: Hungerstreik. Es gab erst Durcheinander, Witz und Sarkasmus; das schlechte Mittagessen machte alle einig. Und als um 3 Uhr der Engländer und der Arzt ein kleiner spaniolischer Jude mit jungen, schlauen Augen — zu uns kamen, sagte ich ihm die Beschwerde. Der Engländer kaute uns langsam vor, er könne nicht besseres Essen geben; er habe mit dem Waad Alija

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