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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 3 · p. 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Landung und Quarantäne
Date
1923-01-01
Page
139 (sequence 3)
Language
German
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Landung und Quarantäne 139 Ich bin vor Tag erwacht. Schiffer nahten dem Schiffe. Sie fuhren ganz dicht heran, dann ließen sie die Ruder ruhen und warfen Angeln aus. Sie saßen einzeln oder zu zweit in den Booten; als einzelne mußten sie Köder an den Fangschnüren befestigen — zwischendurch nachschauen, ob ein Fang gelungen sei — die Schnüre hinunterlassen, die hinabgelassenen heraufziehen, mit Ruderschlägen das Boot am Ort halten oder weiterbewegen: eine Menge langsam scheinender, gut gekonnter Handgriffe. Zu zweit hatten sie es leichter und die Arbeit ging viel schneller. Die Sonne, kaum aufgegangen, machte den frühen Morgen zum Mittag. Es wurde bedrückend heiß. Alle im Schiff waren schon^wach und packten in Aufregung, als könnten sie sich verspäten. Jene, die gleich mir fertig waren, standen am Geländer und schauten den Fischern zu oder zur Stadt, die über Nacht fast vertraut geworden war. Ijef war spät eingeschlafen und erst durch die direkte Bestrahlung geweckt worden; er packte halbverschlafen, wie betäubt, seine Sachen, dann ging er zwecklos herum und blieb zuletzt an meiner Seite stehen. Die Sonne durchleuchtete das Wasser tief, und man konnte die Bewegungen der zahlreichen Fische gut beobachten. Endlich, nachdem die Sirene der „Romania" wiederholt signalisiert hatte, kamen die Barken uns holen. Das schwere Gepäck lag auf dem Deck, daneben das Handgepäck — alles wurde in die Kähne verstaut und zuletzt die Passagiere eingebootet. Während die Zurückbleibenden sangen — sie fuhren nach Jaffa weiter — stießen wir vom Schiff ab; da begann auch bei uns der Gesang. Die einen sahen noch zum Schiff zurück, aber die anderen spähten schon dorthin, woher die Barken gekommen waren. Langsam näherten wir uns dem Lande; es wuchsen langgestreckte Schuppen und Magazine, empor ein Lastkrahn und Maschinen, deren Verwendung noch nicht erkennbar war. Einige Arbeiter sahen uns entgegen sowie ein Haufen Polizisten, die sich zu einer Kette formierten, als wir anlegten. Ich suchte den Zuckerbäcker — er war nicht unter uns. Und niemand war da, den Boden zu segnen . . . Wir standen auf dem steinernen Damm, zwischen Eisenbahnschienen. Man ordnete uns zu zweit, ein Polizist gab jiddisch die Anweisungen. Dem Strande entlang, auf noch feuchtem Sand, marschierten wir zur Desinfektionsanstalt; aus der Ferne von Chaluzim begleitet, die herüberriefen und manchmal näherkamen, aber von den Polizisten wieder verjagt wurden. Doch schien das Verhältnis zwischen den feindlichen Parteien freundschaftlich unfreundlich, das Verhältnis von Kameraden, zwischen denen ein Verbot stand. Unter den Polizisten waren etliche Juden. An einem Esel und von ihm geführten Kamelen vorbei, vorbei an Badenden, kamen wir an. Es war unerträglich heiß geworden. Einzeln traten wir durch die schmale Tür ein, wurden nach Waffen abgetastet und begaben uns in einen großen Raum mit Steinwänden, in dem wir vorläufig uns selbst überlassen wurden. Die Müden kauerten sich suif den Boden hin, die Nervösen standen in Gruppen und besprachen das Kommende. Man brachte uns eine, dann noch eine Kanne Wasser, zu

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