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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 3 · p. 135

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Die zionistische Kolonisation
Date
1923-01-01
Page
135 (sequence 7)
Language
German
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Die zionistische Kolonisation 135 Bisher schienen nur Handel, Bank und intellektuelle Berufe ihr Gebiet. In Polen z. B. gab es oft Streitigkeiten und selbst scharfe Kampfe zwischen Genossenschaftlern und Juden. Und wenn man bedenkt, daß das Ziel der genossenschaftlichen Vereinigung und seine Parole die Abschaffung des Profits ist, so scheint es ein wenig kühn, zu glauben, daß gerade sie zur Parole der Juden werden könnte. Aber schließen wir nicht von der nächsten Vergangenheit auf die Zukunft. Als die Juden in ihrem Lande lebten, waren sie zweifellos gute Ackerbauer und haben aus dem Boden Judas alles gezogen, was er geben konnte. Allerdings haben sie seit der Zerstreuung aufgehört, Land zu bebauen, weil ihnen in den meisten Ländern, wo es ihnen auch sonst am schlechtesten ging, der Erwerb von Grundbesitz verboten worden ist. Sie hatten also keine Wahl. Aber da, wo sie Land besitzen durften, in Amerika und sogar in Galizien, haben sie es wohl verstanden, Ackerbau zu treiben. Und was die Genossenschaft, wenigstens die landwirtschaftliche Genossenschaft, anlangt, so haben sie sich in Rußland und in der Ukraine als ebenso gute Genossenschaftler bewährt wie die Christen. In jedem Falle arbeiten sie hierin mit Erfolg in Palästina. Es bestehen zurzeit 36 zionistische Ackerbaukolonien auf genossenschaftlicher Grundlage mit insgesamt 160 Mitgliedern, in denen die Ausnutzung in Gemeinschaft vor sich geht und auch die Gewinne unter alle Genossenschaftsmitglieder verteilt werden. Da die Einwanderer zum Teil landwirtschaftlich noch Ungeübte, zuweilen Studenten sind, müssen sie sich um den Preis der härtesten Anstrengungen erst die praktischen und theoretischen Kenntnisse erwerben, die für einen Erfolg unerläßlich sind. Sie treiben Baumzucht, Weinbau, Bewässerung und Aufforstung. Ausdrücklich für diese letzte Beschäftigung wurde sogar ein Fonds gebildet, den man den Baumfondsx) nennt und der in pietätvoller Weise das Gedächtnis an einige im Kriege gefallene junge Leute verewigen soll. — Tief bewegt habe auch ich einige Bäume in Erinnerung an einen von ihnen, der mein Schüler war, pflanzen lassen. Diese Kolonien können noch sehr zunehmen und zugleich ländliche und städtische Mittelpunkte werden, wie etwa die neue Stadt Tel-Awiw, die glänzendste Frucht des Zionismus, in der Nähe von Jaffa. Die Genossenschaft nimmt hier nicht nur die landwirtschaftliche Form an, sondern alle Formen: Kreditgenossenschaften, Baugenossenschaften, Arbeitsgenossenschaften, Produktiv- und Konsumgenossenschaften. Der große Konsumverein „Hamaschbir" hat ein Kapital von 350 000 englischen Pfund und einen Umsatz von 110 000 englischen Pfund. Er hat nicht nur in Jerusalem und in Jaffa, sondern in etwa zehn Städten Palästinas seine Filialen, d. h. seine Verkaufsstellen. Beachten wir auch die Baugenossenschaften für Häuser und für öffentliche Arbeiten (Straßen, £rdarbeit, Bewässerung). Sie verschaffen den Einwanderern, die man x) Gemeint ist wohl der „Herzlwald" mit seinen Hainen und Gärten. D. Red,

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