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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 3 · p. 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 3
Article
Die zionistische Kolonisation
Date
1923-01-01
Page
131 (sequence 3)
Language
German
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Die zionistische Kolonisation 131 In der Tat liegt ein schwerwiegendes Problem in diesem unvermeidlichen Konflikt zwischen den entschiedenen Ansprüchen der dort lebenden zwei Völker, von denen das eine sich auf historische Anrechte beruft, während das andere sich auf ein Besitzrecht bezieht, das zwar weniger alt ist, aber doch mindestens 1000 Jahre zurückliegt. Wir haben gegen die Araber kein Vorurteil; die Söhne Ismaels sind kaum weniger edlen Ursprungs als die Söhne Israels. Aber als Nationalökonom bin ich verpflichtet, festzustellen, daß seit etwa zwölf Jahrhunderten, seitdem die Araber das, Königreich Davids in Besitz halten, sie es haben verfallen lassen. Was gilt unter diesen Umständen ihr Besitzanspruch? Mögen sie doch einmal den Text ihres heiligen Buches, den Koran, zur Hand nehmen und wieder den Vers darin lesen, der da sagt, daß „die Erde demjenigen gehört, der sie urbar gemacht, bewässert und belebt hat" — ein wunderbares Gesetz, weit überlegen dem römischen, das wir übernommen haben, und das den Bodenbesitz auf der Besitzergreifung und der Verjährung begründet. Nun wohl: können die Bewohner Palästinas sich das Zeugnis ausstellen, daß sie das Land „neu belebt" ha.ben? Gewiß nicht! Sie haben, als ob es an einem Toten Meer nicht genug wäre, aus dem Gelobten Land auch ein Totes Land gemacht. Vor dem Richterstuhl der Geschichte wäre ein Urteil auf Enteignung aus Gründen des Gemeinwohls gerechtfertigt. Aber die Zionisten beanspruchen ja gar nicht diese Enteignung; im Gegenteil, sie sind bereit, den Arabern zu zeigen, wie man das Land zu höherer Kultur bringen kann. Haben sie ihnen doch allein durch die Tatsache ihrer Existenz und ihrer Käufe den ungeheuren Mehrwert verschafft, von dem ich vorher gesprochen habe und den die einheimischen Besitzer wohl zu schätzen verstanden haben, und zeigen sie ihnen doch durch ihr Beispiel weiter die Kunst, ihn zu verwerten und ihre Ernten zu verdoppeln und zu verdreifachen. Palästina ist zwar nicht groß, ein wenig kleiner als die Schweiz, etwa von der Ausdehnung von fünf bis sechs französischen Departements; aber es könnte ebenso wie die Schweiz drei bis vier Millionen Menschen gut ernähren — und es hat nur 700 000. Also hat es noch Platz für zwei bis drei Millionen jüdischer Einwanderer. Da aber nur acht- bis zehntausend jährlich ankommen — mehr ermöglichen die finanziellen Mittel nicht — sieht man, daß es noch einige Jahrhunderte dauert, ehe die Expropriation droht. Gegenwärtig sind von den drei Millionen Hektar, die Palästina mißt, nur 40 bis 50 000 Hektar, also weniger als 2 Prozent von Juden in Besitz genommen, und davon nur sieben- bis achttausend von den Zionisten. Im übrigen bewundere ich den Eifer für die Hinheimischen Palästinas, von dem so viele Fra,nzosen und Engländer beseelt sind, die sich niemals beunruhigt haben über die Enteignung der Eingeborenen von Algier, Tunis und Neu-Kaledonien, mit oder ohne Entschädigung! * * * 9*

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