Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Übertragungen hebräischer Gebete
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 114 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Bertha Badt-Strauss: Übertragungen hebräischer Gebete Wie Gestern, das uns lasch verläßt Und wie die Wache in der Nacht. Meines Betens Zeit verstrich. Seit die Ruhe mir entwich, Jammerte und stöhnte ich, Klag' ich Nacht für Nacht. Oh, verschmähe nicht mein Flehn, Laß die Pforte offen stehn! Nachtwinde mein Haar durchwehn, Feucht vom Tau der Nacht. Herrscher über Raum und Zeit, Gib, o gib Erlösung heut, Abends in der Dunkelheit In tief tiefer Nacht. Hilf mir, Gott, Dich rufe ich! Lebenspfade lehre mich Und von Kargheit rette mich Tags wie in der Nacht. Wasche meine Flecken rein, Daß nicht sprechen, die mir dräun: Wo mag Gott dein Schöpfer sein? Der Lieder schenkt bei Nacht. Lehm sind wir in Deiner Hand. Lösch' den Funken und den Brand! Dann gibts Tag dem Tag bekannt Und die Nacht der Nacht. DIE ERLÖSTEN (AUS DEM MUSSAF DES NEUJAHRSFESTES) Und alles strömt herbei und will Dir dienen Und preist den Abglanz Deiner Herrlichkeit; Und ferne Inseln künden Deine Werke, Und fremde Völker fragen Deinen Weg. Am letzten Erdenrand singt man Dir Lieder Und immer tönt es: groß ist Gott der Herr! Dann werden ihre Götter sie zertrümmern, Dann flammt nur Dir allein der Opferbrand, Vor Dir allein sinkt jedes Knie zum Staube.