Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Sozialismus des alten Judentums
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 101 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sozialismus des alten Judentums xoi die Prinzessin Säbbath feiert und, den armen Juden als verwunschenen Prinzen verherrlicht. „Hund mit hündischen Gedanken kötert er die ganze Woche durch des Lebens Kot und Kehricht, Gassehbuben zum Gespötte. Aber jeden Freitag Abend in der Dämmerungsstunde plötzlich weicht der Zauber, und der Hund wird aufs Neu ein menschlich Wesen." Der Weg zum inneren Selbst, der Eingang zum Wesen wird dem schwer arbeitenden Menschen durch die schrankenlose Unterwerfung unter seine Arbeit versperrt. Hätten wir nicht die Gnade des Sabbath, wir wüßten bald nicht mehr, daß auch wir eine Seele haben. Auch der Sabbath ist in Israel nicht immer zu seinem Rechte gekommen. Große Kaufleute im nördlichen Reiche wünschten mit Ungeduld sein Ende herbei. „Wann ist der Sabbat vorüber, daß wir die Kornsäcke öffnen!" (Arnos 8, 5.) Und immer, bis auf den heutigen Tag, haben viele ebenso gedacht, gesprochen und gehandelt. Trotzdem herrschte und herrscht der Sabbath mit einer Kraft wie kein anderes Gebot. In dieser Überzeugung vermag uns auch die weitverbreitete Sabbathentweihung nicht irre zu machen. Denn einen Juden, der das Sabbathgesetz grundsätzlich bestritte, gibt es wohl nicht. Wer ihn verletzt, entschuldigt sich vor sich und vor anderen mit der Not des Lebens, mit der Schwierigkeit, ihn zu beobachten, er wünscht sich eine Zeit, frei von Arbeit, Sorgen und Abhängigkeit, in der er ihn wieder feiern könne. Die rabbinische Tradition hat ihn immer weiter ausgebaut, und ihre einzelnen Bestimmungen erhalten ihr Recht durch die gewaltige, die göttliche Idee, die sich in ihm verkörpert. Eine dieser Verordnungen verbietet es, Geld am Sabbath aucli nur zu berühren, und enthüllt damit sein innerstes Wesen. An den sechs Tagen der Woche leben wir in der Welt der Wirtschaft, xler Arbeit und des Erwerbs. Am Sabbath aber nimmt diese ganze Sphäre den Charakter der gemeinen Wirklichkeit an, die vor dem Lichte einer anderen, höheren Welt verblaßt. Wo er abstirbt, bricht der Damm, der die Seele vor der Tyrannis von Arbeit und Geld, von Geschäft und Erwerb schützt. Auf den Sabbath, den sie geschaffen und erhalten hat, werden wir uns immer berufen, wenn wir die Bedeutung der jüdischen Religion für den Juden und für die Menschheit nachweisen wollen. Nicht nur für den Juden, sondern für die ganze Menschheit! Denn Bibel und Thalmud erinnern uns an die Kämpfe der Arbeiter aller Zeiten. Es verstehe sich von selbst, sagt mit bitterem Hohn Karl Marx (Das Kapital I. Volksausgabe, 2. Aufl., S. 213), daß der Arbeiter seinen ganzen Lebenstag hindurch nichts sei außer Arbeitskraft, daß daher alle seine disponible Zeit von Natur und Rechtswegen Arbeitszeit sei, also der Selbstverwertung des Kapitals angehört. Zeit zu menschlicher Bildung, zu geistiger Entwicklung, zur Erfüllung sozialer Funktionen, zum freien Spiel der physischen und geistigen Kräfte, selbst die Feierzeit des Sonntags — und wäre es im Lande der Sabbathheiligen — reiner Firlefanz! Darum haben die Unterdrückten immer um freie Zeit gekämpft, um eine Zeit, die ihnen selbst gehört. Die Geschichte der Arbeiter-