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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 2 · p. 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Der Sozialismus des alten Judentums
Date
1923-01-01
Page
99 (sequence 11)
Language
German
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Der Sozialismus des alten Judentums 99 Aus dieser bitteren Wurzel von Not und Unterdrückung ist im Judentum eine herrliche Frucht erwachsen. Die Antwort von Mose auf die Knechtschaft von Mizrajim ist der S a b b a t h. Das Sabbathgebot steht in der Mitte der zehn Gebote, die einige Wochen nach dem Auszug aus Ägypten am Sinai gegeben wurden. Dies ist der Bericht der Bibel. Nach der Tradition aber ist das Sabbathgebot schon vorher gegeben worden, unmittelbar nach dem Auszug, auf einer der allerersten Stationen, als erste Konsequenz der Befreiung. (Sanh. 56 b.) Jedenfalls war der Ruhetag das Gut, dessen die bisher unterdrückten Arbeiter am ehesten bedurften, das Ziel, das sie vor allen anderen verwirklichten. Dieser Ursprung wird klar in der Begründung ausgesprochen, die die Bibel im fünften Buche Mosis ihm gibt. „Beobachte den Sabbath, daß Du ihn heiligst, wie Dir der Ewige, Dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst Du arbeiten und all Dein Werk verrichten, der siebente Tag aber ist ein Ruhetag dem Ewigen, Deinem Gotte. Da darfst Du keinerlei Werk verrichten, Du und Dein Sohn und Deine Tochter, Dein Knecht und Deine Magd, Dein Ochse und Dein Esel und all Dein Vieh und Dein Fremdling, der in Deinen Toren ist, damit ruhe Dein Knecht und Deine Magd wie Du. Und Du sollst gedenken, daß Du Knecht gewesen bist in Ägypten, und daß Dich der Ewige von dort herausgeführt hat mit starker Hand und ausgestrecktem Arme. Darum hat Dir der Ewige, Dein Gott, geboten, den Sabbathtag zu feiern." (V. B. M. 5, 12 ff.) Als ein Denkmal der Unfreiheit und der Befreiung, als die wahrhafte Erlösung des Arbeiters ist der Sabbath. geschaffen und begründet worden. Er gehört dem Arbeitsrecht an. Trotzdem ist er mehr als eine Institution der Sozialpolitik. 4 Zweimal werden, im zweiten und im fünften Buche Mosis, die zehn Gebote in der Thorah verkündet, und das Sabbathgesetz erscheint dabei in verschiedener Fassung. Wir führten oben die Begründung an, die ihm das Deuteronomium gibt. Ganz anders lautet sie im Exodus. Denn dort heißt es: ,,Gedenke des Ruhetages, ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst Du arbeiten und all Dein Werk verrichten. Der siebente Tag aber ist em Ruhetag dem Ewigen, Deinem Gotte. Da darfst Du keinerlei Arbeit tun, Du und Dein Sohn und Deine Tochter, Dein Knecht und Deine Magd und Dein Vieh und der Fremdling, der in Deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und .alles, was darin ist, und er ruheteam siebenten Tage. Darumsegnete derEwige den Sabbathtagund heiligte 1 h n." (II. B. M. 20, 8 ff.) Hier wird dem Sabbath sein Ursprung in den tiefsten Fundamenten der Welt zugewiesen. Denn er erscheint nicht als die Schöpfung eines Gesetzgebers, die an einem bestimmten Datum ins Leben trat, sondern als ein Element der Weltordnung, das vor jeder Gesetzgebung und Offen- 7*

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