Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emigration und Immigration
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Emigration und Immigration 7* dort, wo täglich, stündlich Arbeit für Hunderte aus dem Boden gestampft werden muß, in jedem Fall jedem Einzelnen geholfen werden kann. Daher ist Initiative der Schöpfung, in einem Lande, wo alles erst Schöpfung, nichts von selbst bereit ist, eine Forderung an den Chaluz; und darum ist, da nicht jeder ein Mann der Initiative ist, die Gruppenbildung im Lande (eine Gruppe, in der von 10 wenigstens einer Initiative haben muß) so charakteristisch und wesentlich. In vielen Fällen ist nicht der einzelne Facharbeiter von Wert, im Gegenteil; er ist oft eine nutzlose Beschwerung, weil er dünkelhaft und ohne Initiative sein kann; die Gruppe, die schon im Galuth, willensstark und als Schöpfung von Chaluzim im wahren Sinne des Wortes, sich zusammenfand, wird meist ungleich stärker und wertvoller sein als die gleiche Zahl von Einzelnen. Das heißt selbstverständlich nicht, daß in einer solchen Gruppe nicht „Fach"- arbeiter sein sollen; im Gegenteil; aber es heißt doch, daß der „Chajuz" <der wahre Chaluz) wichtiger ist als nur der Facharbeiter. Die Synthese ergäbe und ergibt die schöpferischste Mischung. Materialistische Gesinnung (in beiderlei Bedeutung des Wortes) tötet den Gedanken Palästinas und hindert den Aufbau; Ergebung, die alles in die Hände der Kapitalisten legt, den man nach Möglichkeit stört — und auf Nutzeffekt bedachte Zweckgesinnung (beides heute im Lande in reichlichen Exemplaren zu treffen): beides ist gleich ekelhaft und aufbauzerstörend. Facharbeit, Chaluzausbildung: wo sie verbunden ist mit wahrer schöpferischer Gesinnung (viele, und jetzt wieder Ben Gurion, der eben aus Moskau kommt, sagen uns, daß dort, allen Teufeleien der Jewsekzia zum Trotz, ein Chaluzgeschlecht, in anderen Ländern unbekannt, herangewachsen ist, Trumpeldor nicht nachstehend; wer empfände nicht, daß revolutionäres Pathos des Aufbaus Wesen und Sinn des „Hechaluz" ausmacht, in einer Zeit, in der man in allen Ländern selbst „Hechaluz" Fachgruppen umwandelt), dort ist sie gut. Was die Wegrichtung der Fachausbildung betrifft, ist, wie ich eingangs betonte, nicht viel Neues zu sagen. Noch immer ist der gute Landwirt, der Milchwirtschaft, Tabakbau, Gemüsewirtschaft jahrelang gelernt hat, dringend gesucht; noch immer wird die landwirtschaftlich gut ausgebildete Gruppe am ehesten ihren Weg gehen; es besteht ein empfindlicher Mangel im Lande 3.n landwirtschaftlich vorbereiteten Menschen, Instruktoren, an Gruppen, die fachlich wirklich bereit zur Ansiedlung sind. Noch immer hat man tiicht die Steinbrucharbeiter im Auslande ausgebildet, die auch heute noch «ehr bald Möglichkeiten der Arbeit fänden; noch immer gibt es zahllose Einzelhandwerke (Korbmacherei, Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Metallbearbeiter verschiedener Fächer), die im Lande durch Fach- Arbeit entwickelt werden können; aber was mir wichtiger erscheint: in dieser Bpoche der Pause in der Alijah sollte män doch versuchen, geeignete Gruppen auch materiell so auszustatten, daß sie im Lande größere Bewegungsfreiheit haben, nach bestimmten Plänen, die aber getragen sein müssen von "Wirklicher Kenntnis des Landes; man sollte Gruppen in bestimmten Fächern