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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 2 · p. 72

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Emigration und Immigration
Date
1923-01-01
Page
72 (sequence 8)
Language
German
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72 Walter Preuss: Emigration und Immigration So ausbilden und im Galuth so mit Werkzeug versehen, daß sie im Lande sofort wirtschaftlich produktiv auftreten können, aber immer nur unter dem Gesichtspunkt, daß niemand im Lande verpflichtet ist, den Wechsel, den man im Galuth gestellt hat, unter allen Umständen einzulösen. Hier gilt eben das, was ich vorher über „Chaluzgesinnung" sagte. Auf der letzten Moazah der Allgemeinen Arbeiterorganisation*' wurde der Beschluß gefaßt, das Alijahressort der Arbeiterschaft, das zeitweilig aufgelöst war, zu erneuern. Diesem Ressort wird es obliegen, dem, was ich hier in allgemeinen Zügen aufgezeichnet habe, konkreten Inhalt zu geben, d. h. die Verbindung herzustellen, die zwischen dem Lande einerseits und der Chaluz-Alijah- und Hachscharahbewegung im Galuth andererseits in der letzten Zeit nicht in genügendem Maße funktionierte. Zusammenfassend: die Emigrationsbewegüng des letzten Sommers, bedingt durch die ökonomischen Zustände im Lande infolge nicht erfüllter zionistischer Erwartungen, ist ein ernstes Symptom. Sie ist aber durch Anstrengungen des Jischuw selbst zu überwinden, und ist natürlich abhängig vom Gelingen größerer zionistischer Anstrengungen. Es liegt nicht in der Natur der Verhältnisse, daß sich diese Emigration wiederholen muß; eine Änderung ist, auch ohne irgendwelche übertriebene Erwartungen, durchaus im Bereich nächster Möglichkeiten. Gleichzeitig erscheint aber der Boden für die Aufnahme der vierten Alijah, die gesinnungsmäßig und fachlich vorzubereiten ist, in der Vorbereitung begriffen durch eine erneute Verlegung des Schwerpunkts der Arbeit im Jischuw in der Richtung auf Schaffung industrieller Dauerarbeit hin. Die Zeit der großen Erwartungen ist sicherlich vorbei; aber der Geist der Verzweiflung, soweit er herrscht, entspricht noch weniger den tatsächlichen Verhältnissen. Nur Kraft, Organisation und Weite der Pläne, mehr als sie oft zu spüren sind, wäre vonnöten. NATHAN BIRNBAUM/ DIE AGUDAS JISROEL UND IHRE K'NESSIOH G'DAULOH l> Die Agudas Jisroel war schon früher einigermaßen gekannt, belächelt, befehdet und Gegenstand weitergehender Neugier, aber erst durch ihre erste K'nessioh g'dauloh wurde sie ins volle Bewußtsein der jüdischen , Mitwelt gerückt. Wie die Menschen schon einmal sind, mußte sie ihnen erst so vorgeführt werden, wie heute Bewegungen vorgeführt werden, J) Wir halten es für notwendig, unsere Leser über ein Ereignis wie die K'nessioh g'dauloh zu informieren — und zwar nicht von außen, sondern von innen her. Deshalb haben wir eine repräsentative Figur des orthodoxen Judentums ersucht, die Berichterstattung für uns. zu übernehmen. D. Red.

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