Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emigration und Immigration
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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7o Walter Pre uss: im nächsten Sommer nach Möglichkeit vorzubeugen. Die Losung, daß Häuserbau tii.cht Industrie, aber Industrie Häuserbau schafft, müßte endlich weithin begriffen werden. Von den Hindernissen, die dieser intensiven Arbeit entgegenstehen, von dem empfindlichen'Mangel einer einheitlichen zionistischen Leitung im Lande selbst, von der unglaublich nichtswürdigen, eigennützigen Politik eines „Doar Hajom", dem jedes Mittel der Störung recht ist, wenn es gilt, den eigenen Nutzen zu fördern, sei an dieser Stelle nicht gesprochen. Nicht gesprochen sei auch von den mannigfachen Reibungen, die die arbeiterfeindliche (und man kann es ruhig sagen: zionismusfeindliche) Haltung der Jca sowie das Arbeitssystem der privaten Gesellschaften und Privatpersonen, die hinter den in der letzten Zeit gegründeten Industrien stehen, mit sich bringt (die Übertragung der Arbeiten an zahllose kleine Zwischenunternehmer und die absolut feindliche Haltung, die man in „Nescher", der Zementfabrik, in der großen Mühle, in vielen kleineren Unternehmungen gegenüber der organisierten Arbeiterschaft einnimt). Darüber und über die mannigfachen Konflikte der Arbeiterschaft mit der Regierung und den Unternehmern ein anderes Mal in einem anderen Zusammenhang. Dagegen wollen wir hier, mannigfachen Anregungen zufolge, noch kurz darüber sprechen, ob irgendeine Änderung in der Frage der Chaluzvorbereitung aus der augenblicklichen Situation zu entspringen hat. Mir erscheint es nach wie vor klar, daß kein irgendwie geartetes Ereignis eingetreten ist, daß eine solche Änderung hervorrufen könnte. Stärker als je tritt in einer Zeit, die im Lande als „Vorbereitungszeit" empfunden wird, das Bedürfnis hervor, geistig und beruflich „vorbereitete" Menschen ins Land zu bringen. Es ist nicht richtig, daß, wenn auch zeitweilig Facharbeiter in bestimmten Fächern arbeitslos bleiben, nicht die Vorbereitung zur „Facharbeit" das richtige sei: ein Facharbeiter kann immer als Schwarzarbeiter arbeiten, nicht aber ein Schwarzarbeiter als Facharbeiter. Und dies ist eben die ,,geistige" Vorbereitung, Chaluziuth in wahrem Sinne des Wortes, die erforderlich ist in dieser Zeit für denjenigen, der unter allen Umständen sich im Lande halten will: der Wille des „Facharbeiters, gegebenenfalls auch als „ungelernter" Arbeiter tätig zu sein, d.h. einige Jahre lang, sei es in der Stadt, sei es in den Moschawoth Lohnarbeit zu machen. Zu oft sehen wir im Jischuw die Miene des „Oleh", der nach 2 Tagen schon weiß, daß alles schlecht ist* alles korrupt, weil man ihn, den Facharbeiter, nicht sofort in Arbeit gebracht hat. Wobei man wissen muß, daß jede Arbeit im Lande erst Schöpfung ist, daß kaum eine Arbeit auf irgend jemand wartet, daß auch in den Organisationen, selbst denen der Arbeiterschaft, nur eine begrenzte Schöpfungsmöglichkeit existiert, daß die Arbeitsbeschaffung im Großen gerade die arbeitenden Instanzen im Lande bis ins letzte in Anspruch nimmt und daß einfach die Möglichkeit einer individuellen Arbeitsvermittlung nur in ganz beschränktem Maße existiert, aus Mangel an bereiten Arbeitsgelegenheiten und weil die Größe der Aufgabe keine Zeit dazu läßt. Der ständige Kampf um Arbeit läßt es nicht zu, daß