Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Emigration und Immigration
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Walter Pr euss: Von neuem ertönt der Ruf: Eroberung der Kolonien; neue Projekte, die Eroberung auf Wegen zu suchen, die man noch nicht versucht habe, tauchen auf, 200 Mann gehen nach Petach Tikwah und gründen dort, auf eigener Wirtschaft basiert, den Sturmtrupp, der den niedrigen Preisen der Araber standhalten soll. Tel Awiw, das Nest allen Übels, das 1000—1500 überflüssige Arbeiter birgt, gilt es, in kurzer Zeit zu entleeren, die Arbeitslosenunterstützung, die in letzter Zeit zu unmöglicher Höhe anschwoll, auf normale Basis zu bringen. Mit Hilfe von Kombinationen werden weitere 200 Arbeiter zu Aufforstungsarbeiten nach Tel Adaß, En Chaj, Kirjath Anawim überführt, also in eine Dauerarbeit. In Jerusalem wird die Arbeitslosigkeit durch öffentliche Arbeiten in den neuen jüdischen Vierteln Ratisbonne und Antimos liquidiert, die ein weites Feld für große Bauarbeiten in kurzer Zeit eröffnen; diese Bauarbeiten gilt es mit aller Kraft zu beschleunigen. Als neuer Stern am Himmel der Arbeit im Lande taucht der Tabakbau auf; schon sind in Rosch Pinah, im ganzen unteren Galil, die Verträge abgeschlossen oder im Abschluß begriffen, die es ermöglichen werden, weitere Hunderte von Arbeiter in landwirtschaftliche Umgebung und, mit Hilfe kleiner Darlehen zwecks Erwerbs eines Stückes Land und von Geräten zur Bebauung des Bodens, in dauernde Arbeit zu bringen. Eine ganze Reihe weiterer größerer Arbeiten, so die wichtige Chaussee im unteren Galil (eine Arbeit, die Hunderten Beschäftigung geben und diese Kolonien, wie Kfar Tabor, Jabniel, Beth Gan eigentlich erst erschließen wird), die Kanalisation in Tel Awiw, die nach den Wahlen zur Stadtverwaltung doch schließlich beginnen wird, der Bau der Viertel: Montefiore, Beth wgan in Jerusalem, der Ausbau von Hada,r hakarmel in Haifa): alle diese Arbeiten stehen dicht bevor oder sind bereits in Vorbereitung. Wir haben hier absichtlich nicht von den großen Arbeiten des Ruthenbergprojektes z. B. gesprochen, deren Schicksal trotz aller Verhandlungen noch ungewiß ist, nicht vom Bau weiterer Viertel in Jerusalem, die noch von Anleihen von außen her abhängig sind. Trotzdem so im Jischuw selbst starke Kräfte der Selbstbesinnung am Werke sind, um dem Zustande der Verzweiflung und Arbeitslosigkeit ein Ende zu machen, erscheint die Abhilfe durch Bau und öffentliche Arbeiten doch ungenügend; zu tief schon hat sich die Skepsis gegenüber dem Wert dieser Arbeiten für Chaluzim, die Jahre lang im Lande sind, eingefressen. So steht denn im Vordergrund aller Interessen dieFrage der Industrialisierung, der Schaffung von Dauerarbeiten und gleichzeitige Ansiedlung in Arbeitersiedlungen, Sch'chonoth Owdim. Es deutet viel darauf hin, daß für manche Industrien die Vorbereitungszeit überwunden ist; die Industriealisierung der Städte als Ergänzung der landwirtschaftlichen Siedlungsarbeit soll den Boden für die vierte Alijah schaffen. Es wird vielleicht überraschen, wenn wir hier erwähnen, daß nach Berechnungen der „Wirtschaftsabteilung der Zionistischen Organisation" heute bereits 2500 Arbeiter in größeren Industrien und Werkstätten tätig sind, von ihnen Vio in kooperativen Betrieben, während bekanntlich in der Landwirtschaft 60% aller Arbeiter