Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aufstieg und Abstieg
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 56 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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5« Si J. A gii o n : Da hielt ihn der Bademeister für einen Irrsinnigen und Verrückten und brachte ihn in ein Zimmer und schloß die Tür hinter ihm zu. Und er schloß die Tür und riegelte ab. Da stand Rabbi Chanan Abba nackt und barfuß und sprang und hüpfte und tanzte in großer Freude. 21. Inzwischen empfing man den Sabbath. Der Vorbeter vollendete das Gebet, sprach den Kiddusch über den Wein, und die Gemeinde wünschte einander einen guten und gesegneten Sabbath. Und als der Vorsteher auf alle Segenswünsche geantwortet hatte, ging er zur Tür und zur Bank der Armen, un den Armen zu rufen, der früher sein Brotherr gewesen war. Und sieh, der Arme war nicht da. Da stockte sein Herz und er fragte den Synagogendiener: Habt ihr den und den Mann gesehen? — Und keiner war im Bethaus, der ihn gesehen hatte, und es betrübte ihn sehr. Er sandte den Synagogendiener in alle Bethäuser der Stadt -— er war nicht da. Und der Synagogendiener fragte jeden einzelnen: Habt ihr den .und den Mann gesehen? — bis die Sache dem Bademeister zu Ohren kam. Der Bademeister sagte: Ach, ein solcher Jude ist bei mir, und er ist in den Holzschuppen eingeschlossen, denn er führt sich auf wie ein Verrückter und ist nackt und bloß. Da schickte der Vorsteher andere Kleider, und man kleidete den Armen und brachte ihn schnell aus seinem Gefängnis. Und er zog die Kleider an und kam zum Vorsteher. Sie sprachen den Kiddusch über den Wein und sie aßen. 22. Der Vorsteher konnte nicht an sich halten und sagte: Ich bin Euer Diener, der Buchhalter bei Euch gewesen ist. Und nun seid nicht betrübt und zürnt nicht, daß ich Euch nicht gleich meinen Namen genannt habe! — Und zwischen Schüssel und Schüssel redeten sie lange und sprachen von früheren Tagen, und sie gedachten des großen Ladens, der voll von Waren und Käufern gewesen war, und der Reisen zum Jahrmarkt nach Laschkowitz und den bekannten Handelsplätzen. Und der Hausherr sagte zu Rabbi Chanan Abba: Eines erbitte ich von Euch, und Ihr mögt es mir erzählen. — Da sagte Rabbi Chanan Abba: Fragt! — Und der Hausherr fragte Rabbi Chanan Abba: Als Ihr heute im Bad bliebt, nackt ohne Hemd und barfuß ohne Schuhe, warum sprangt Ihr da und tanztet und ward froh? — Rabbi Chanan Abbas Gesicht strahlte, und er schwieg. Da fuhr der Hausherr fort und sagte: Sieh, durch diese Sache komme ich auf eine andere. Wir fuhren einmal vom Jahrmarkt in Laschkowitz zurück, und alles Gut Gottes war in Eurer Hand, plötzlich bracht Ihr in Weinen aus und vergoßt Tränen wie eine Quelle. Und jetzt, wo man Euch die Kleider