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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Aufstieg und Abstieg
Date
1923-01-01
Page
42 (sequence 5)
Language
German
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42 S. J. Agnon: er tue den Willen seines Herrn. Möchte Gott nur langes Leben und Gesundheit schenken — die rechte Stunde, sich mit den Schmucksachen, die er heimbrachte, zu schmücken, würde gewiß nicht ausbleiben. 6. Und Gott sei Dank, sie sind alle gesund und wohlauf, und wäre der Sündenfall nicht, so könnten sie bis zu den Tagen des Messias leben. Aber komm und sieh. Seit dem Tage, wo Rabbi Chanan Abba nach Hause zurückgekehrt ist, scheint der böse Blick über all sein Tun Gewalt zu haben. Die Ware, die noch im Laden war, wurde nun gerade gut verkauft. Und jener, welche ihm die Kaufleute in Laschkowitz gegen seinen Willen aufgedrängt hatten, fehlte es sicherlich nicht an Käufern. Im Gegenteil —wären nur soviel Waren da wie Käufer. Freilich, in jenen Tagen war das Bankrottieren bei den Juden noch nicht ausgeartet. Und wenn ein jüdischer Kaufmann gezwungen war, den Bankrott zu erklären, wurde er zu keinem Ehrenamt mehr berufen. Und das war eine Warnung für jeden Juden, sich nicht am Gelde seines Nächsten zu vergreifen. Außer für einige Schlachzizen, die Ware auf Borg nahmen, und nachher erbten ihre Söhne ihr Vermögen und sagten: Unser Vater war von Sinnen, und was er geborgt, hat er geborgt, als er unzurechnungsfähig war, und seine Schulden brauchen nicht bezahlt zu werden. Aber andere Ausgaben verminderten sein Geld. Schon seit vielen Jahren fährt seine Frau zur Traubenkur nach Ungarn. - Reist seine Frau, so reist auch seine Schwiegertochter. Damals liefen sich die Juden noch nicht nach den Heilquellen die Füße wund. Aber dieser Brauch begann sich im Volke zu verbreiten. Und einige von den Frauen der Reichen übten ihn schon. Die Frau des Rabbi Chanan Abba für sich hätte an den Weinbergen in Ungarn schon genug, aber ihre Schwiegertochter, die selbst am Rosch haschana einen Hut trägt, begnügt sich nicht damit. Und sie sagte ausdrücklich zu ihrem Manne: Schickst du mich nicht nach Franzensbad, so gehe ich nicht ins Tauchbad. Was soll er tun? Ihr Vater bezahlte ihr die Reisekosten. Und weil man eine junge Frau nicht allein schickt, sagten sie: ihre Schwiegermutter soll mit ihr reisen.. Denn auf jeden Fall ist ein Bad besser als Weinberge. Und was das Geld angeht, gelobt sei Gott, Rabbi Chanan Abba kann es bezahlen. Und wenn sie beide hätte besuchen wollen, hätte man es ihr etwa nicht zugestanden? Das Sprichwort sagt: Eine reiche Frau kann es sich erlauben, auch zweimal im Jahr zu gebären! Sie rüsteten zur Reise, nähten Festkleider, garnierten Hüte und kauften Schmuckzeug, alles wie es dem Orte und der Zeit entspricht. Und das Schmuckzeug in unserer Zeit ist heute hier und morgen auf dem Müllhaufen. Früher kaufte ein Mann seiner Frau ein perlenbesticktes Kopftuch und einen silbernen Anhänger, und darin ging sie an allen Sabbathen und Feiertagen ihr ganzes Leben lang aus, und nicht nur das, sondern sie vererbte es auch noch ihrer Tochter, und diese wieder ihrer Töchter. Und

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