Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
37 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3101111-3101201-3101203-3108814--6697-3108863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 37 bringen. Doch sollte der Meinungsstreit auf der nächsten Weltkonferenz (Krakau, Dezember 1909) von neuem in einer noch schärferen Form losbrechen. So zeigten sich bereits zur Zeit der Entstehung des Weltverbandes der Poale-Zion die ersten Ansätze jener Spaltung, die zwölf Jahre später zur Tatsache werden sollte. Zugleich mit der Bewegung wuchs auch das Schrifttum des proletarischen Zionismus. Bereits im Jahre 1962 hatte er sich sein erstes zentrales Organ, den „Arbeiter-Zionist" geschaffen, das indes nur kürze Zeit lang erschien. Mit der beginnenden Differenzierung im proletarischen Zionismus war für ein zentrales Organ kein Platz mehr da. Es begann die Periode der kleinen lokalen, meist hektographischen Blättchen, die in den verschiedensten Städten erschienen und von denen nur die Wilnaer „Chronik" eine größere Bedeutung besaß. Mit der Ausbildung der einzelnen Anschauungen, die zur Bildung der Parteien führten, entstanden auch die Organe, die die entsprechenden Ideen propagieren sollten. So gab die territorialistische Gruppe der Minsker Richtung eine eigene Zeitschrift heraus: ,,Die jüdische Wirklichkeit". Von großer literarischer und wissenschaftlicher Bedeutung waren die von der Gruppe „Wosroschdenje" herausgegebenen, bereits erwähnten Sammelbücher unter derselben Überschrift. Sie erschienen in russischer Sprache, indessen wurde das erste Heft dann auch auf Jiddisch unter dem Titel: „Die jüdische Freiheit" herausgegeben. Nach der Entstehung der Partei gab sie ein Zentralorgan in russischer Sprache, die Sammelbücher „Serp", und eines in jiddischer, die „Volksstimme" in Wilna heraus, die ebenfalls ein ziemlich hohes Niveau hielten. Von den Organen der S. S. waren insbesondere die der russischen Partei von Bedeutung. Es erschien in Wilna in jiddischer Sprache zuerst die Zeitschrift: „Der neue Weg" (1906), dann „Das Wort", und schließlich „Unser Weg" (beide 1907). Daneben gab die galizische Partei die Zeitschrift „Die Freiheit" und die amerikanische (die S. T.) „Das Volk" (beide in jiddischer Sprache) heraus. Auch die Poale-Zion gaben in allen ihren Landesverbänden besondere Zeitschriften heraus. In Rußland erschienen in chronologischer Reihenfolge seit der Gründung der Partei die „Jewrejskaja Robotschaja Chronika" (herausgegeben in Poltawa, erschienen drei Nummern), der „Molot" (in Simferopol, offizielles Organ des Krimverbandes der Poale-Zion, beide Organe russisch) , hierauf in Wilna in jiddischer Sprache der „Proletarischer Gedank" (erschienen nur drei Nummern, dann eingestellt) und der „Vorwärts" (erschienen sechs Nummern). In allen diesen Organen war der Hauptmitarbeiter Borochow selbst, der in ihnen auch seine „Plattform" veröffentlichte, natürlich aber immer unter einem Pseudonym (Postojany, Gerschensohn, Bar-Droma, Danin, Stendiger, Chawer Gerschon) schrieb. Das Zentralorgan der österreichischen Partei war zuerst „Das freie Wort" (Wien, jiddisch), hierauf „Der jüdische Arbeiter" (jiddisch, zuerst in Wien, hierauf in Krakau und schließlich in Lemberg, wo es bis zum Ausbruch des Weltkriegs blieb). Die amerikanische Partei begann bald nach ihrem Entstehen ihr Zentralorgan in jiddischer Sprache, den „Jüdischen Kämpfer" heraus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.