Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 38 (sequence 23)
- Language
- German
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38 S. J. A g n o n : zugeben. Das Organ der palästinensischen Poale-Zion, die „Achduth" erschien seit 1907 in hebräischer Sprache. So konnten denn bereits um das Jahr 1906 die drei neuentstandenen Parteien, gestützt auf ihre Anhänger und ihr Schrifttum, den Kampf um Geltung im Volk und Staat und um die Realisierung ihrer Postulate aufnehmen. Es galt das Verhältnis zu den Fragen der Landespolitik, der Gewerkschaftsbewegung, des Verhältnisses zueinander und zu den anderen sozialistischen Parteien, sowie der sozialistischen Internationale, zu den Fragen des jüdischen Wirtschafts- und Kulturlebens zu finden und den Einfluß des jüdischen sozialistischen Gedankens überall durchzusetzen. Für die Poale-Zion kam noch die wichtige Frage des Verhältnisses zur Zionistischen Organisation und zur Palästinaarbeit hinzu. In allen diesen Richtungen erfolgte in den nächsten Jahren der Ausbau der Theorie und Praxis der jüdischen sozialistischen Parteien. S. J. AGNON / AUFSTIEG UND ABSTIEG Aus dem Hebräischen übertragen von Gerhard Scholem Gott sitzt und baut Leitern. (Midrasch) I. Rabbi Chanan Abba war sehr reich. Er hatte einen Handel mit Ballen von Wolle und Seide, Samt und Atlas und ernährte sich davon reichlich. Er und seine Frau trieben Handel, und Gott gab dem Werk ihrer Hände Segen und Gelingen. Nach außen hin war der Laden gar nichts. Er hatte kein Ansehen und keine Pracht. Und nicht einmal ein Zeichen oder ein Schild war an seiner Tür. „Namenlose" Leute mögen mit ihren Namen auf allerlei Schildern prunken, Rabbi Chanan Abba hält sich an den Brauch seiner Väter. Wenn es vom Himmel bestimmt ist, daß Käufer zu ihm kommen sollen, werden sie sicherlich von selbst kommen! Nicht der Name macht es. Was sind wir und wäs ist unser Leben, daß unser Name in der Welt gekannt werden sollte? Gottes ist die Erde und was sie füllt! Auch der Laden selbst, will sagen das Gebäude, gehörte ihm nicht. Es ist von andern gemietet. Wenn Rabbi Chanan Abba wollte, könnte er einen Palast bauen, aber was soll ihm das? Besser, es bekommt ein Jude von ihm die Miete für den Laden. Kurz, der Handel geht ordentlich, der Laden ist voll von Waren, Käufern und Angestellten. Zweimal im Jahre fährt man zum Jahrmarkt. Wenn man von dort zurückkehrt, fahren viele Wagen voll von Waren hinterher. Außer dem, was zwischendrein kommt, eine jede Ware zu ihrer Saison.