Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 35 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 35 einigten sich unter einem Organisationskomitee, das durch die Delegiertenkonferenz der Gruppen gewählt wurde. Von den drei in Nordamerika bestehenden territorialistischen Gruppen (Sozialisten-Territorialisten, Anarchie sten-Territorialisten und Sozialisten-Revolutionäre-Territorialisten) waren sie die stärkste. Allein die Giupps in New York zählte bereits im ersten: Jahre ihres Bestehens 2060 Mitglieder. Außer in Galizien und Nordamerika bildeten sich Gruppen der S. S. noch in England (in London, Liverpoool, Leeds und Manchester) und in einigen europäischen Hauptstädten, wo sich eine größere Anzahl jüdischer Arbeiter befand (Paris, Berlin, Budapest). In Rußland selbst bedeutete es eine ziemlich große moralische und ziffernmäßige Stärkung der Partei, als sich ihr im dritten Jahre ihres Bestehens (1907) der territorialistische Flügel der Minsker Richtung, die J. T. A. P. anschloß. Diese Tatsache wurde von den S. S. enthusiastisch begrüßt und als Anfang der Vereinigung des jüdischen Proletariats gedeutet. Das Bestreben, die verschiedenen Landesorganisationen der S. S. in einen einheitlichen Verband zusammenzubringen, machte sich rasch geltend (so wurde bereits auf der Gründungskonferenz der S. S. in Rußland beschlossen, nähere Beziehungen mit den Organisationen in Galizien, Amerika, London und Paris anzuknüpfen), ohne indes zu einer realen Tat in dieser Beziehung zu führen. Die Sejmisten hatten, wie schon bemerkt, organisierte Gruppen nur in Rußland und auch dort war die Zahl der Mitglieder nicht groß. Sejmistische Gruppen gab es hauptsächlich in Südrußland, in den Ralyons Jekaterinoslaw, Kiew und Berditschew, aber auch in Stadt und Umgebung von Wilna. Trotz ihrer unermüdlichen Agitation und des ziemlich großen Einflusses auf das jüdische öffentliche Leben in Rußland haben es die Sejmisten nie zu einer größeren Anzahl von Mitgliedern gebracht. Jene Arbeiter, die die Losung der nationalen Autonomie in der Galuth als der einzigen Rettung des jüdischen Volkes aufgriffen, zog es mehr zum „Bund"-hin, der schon damals eine mächtige Organisation war und der jüdischen Arbeiterschaft im ökonomischen Kampf voranschritt. Und für die Imponderabilien der Anschauungen der Sejmisten, in erster Reihe für ihre Sozialrevolutionäre Grundeinstellung, hatte die Arbeiterschaft kein tieferes Verständnis. Aber auch die Entwicklung der Poale-Zion in Rußland blieb in den ersten Jahren hinter der der S. S. zurück, um so mehr, als Borochow selbst Rußland bereits kurze Zeit nach der Gründung der Partei verlassen mußte, um den Verfolgungen der Behörden zu entgehen, und nach Krakau und dann nach Wien zog, wo er bis zum Ausbruch des Weltkriegs verblieb. Doch breitete sich der poale-zionistische Gedanke gerade außerhalb Rußland stark aus. In Österreich und Amerika entstand die Poale-Zionbewegung noch vor der Gründung der Partei in Rußland. In Österreich bestanden schon vor Herzl Vereine jüdischer Arbeiter und Angestellter mit entschiedenem nationalem Programm. Die Poale-Zionbewegung setzte dort um das Jahr 1903 ein; bereits im gleichen Jahre fand der erste Parteitag statt. Obwohl die zahlreichsten Gruppen von Anfang an in Galizien bestanden, wurde, 3*