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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
31 (sequence 16)
Language
German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 3* Schaffung eines neuen, gut besiedelten Landes interessiert seien, und anderseits von der internationalen Arbeiterschaft, die die Lösung der Emigrationsfrage erstrebe. Aus der Emigration ergebe sich die jüdische Heimstätte, die Emigration selbst werde durch die Anomalität des jüdischen Lebens hervorgerufen. Je schlimmer also die Lage in der Galuth sei, desto größer und intensiver werde der Emigrationsstrom, und desto näher rücke die Erlösung. Aus einer derartigen Auffassung konnte sich kein großes Interesse für die Frage der Galuthpolitik ergeben. So waren denn die S. S. weder für eine politische noch auch für eine kulturelle Autonomie. Ihr Galuthprogramm war eng begrenzt und beschränkte sich im wesentlichen auf die Forderung der Gleichberechtigung der Sprachen, gleicher Rechte für alle Staatsbürger und auf die von ihren Gegnern stark verspottete Forderung freier Schulvereine zur Förderung der nationalen Bildung. Das große Interesse der S. S. für die Fragen der jüdischen Emigration, auf deren Existenz sie ja ihr Gedankensystem aufbauten, nötigte sie auch zum Studium der Frage, wie diese zu regulieren sei, um ihre Härten zu mildern. Ihre diesbezüglichen Vorschläge (auf die wir in der Folge noch zurückkommen), sowie die von ihnen in die jüdische Öffentlichkeit geschleuderte Losung eines jüdischen Emigrationskongresses fanden starken Widerhall. In den paar Jahren nach der Gründung der Partei erschien eine Flut von Schriften zur Frage der jüdischen Emigration, hierunter auch eine glänzende Schrift Borochows aus dem Jahre 1911, die vieles zur Klärung des Problems beitrug. Das Gedankensystem der Poale-Zion stammt, wie wir schon wissen, zum weitaus überwiegenden Teil von Borochow. Es waren allerdings auch einige andere Personen daran beteiligt (Boruchson, Ben-Zwi) doch war ihr Anteil, wenngleich an sich wertvoll, wenig bedeutend gegenüber der großen Gedankenarbeit Borochows. Vom Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffassung ausgehend, untersuchte Borochow zunächst die Anomalität der Lage des jüdischen Volkes. Als exterritoriales Volk sei es in seiner wirtschaftlichen Entwicklung nicht frei. Diese werde ihm durch seine Wirtsvölker vorgeschrieben. Daraus ergeben sich zwei Faktoren in deren Verhältnis zum jüdischen Volk: ein assimilierender und ein isolierender Faktor. Solange die Wirtschaftsfunktionen der Juden dem Wirtsvolk notwendig oder nützlich seien, ziehe es die Juden an sich heran, in dem Augenblick aber, wo es die Funktionen selbst erfüllen könne, suche es die Juden auszustoßen, sich ihrer zu entledigen. Aus dem Stadium der nationalen Exploitation (Ausnützung der Eigenschaften der Juden durch das Wirtsvolk) gehe das Verhältnis in das Stadium der nationalen Konkurrenz (Kampf des Wirtsvolkes mit den Juden um die Wirtschaftspositionen) über, in dem die Juden als die schwächeren den kürzeren ziehen müssen. Aus der Abhängigkeit von den Wirts Völkern erkläre sich auch die Anomalität des jüdischen Wirtschaftelebens. Es zeichne sich durch zwei Eigentümlichkeiten aus; durch das Überwiegen der geistigen Arbeit über die physische und durch

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