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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
28 (sequence 13)
Language
German
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28 A r j e h T a r takower: drei /Parteien übernommen wurden, verschwanden einfach im Lauf der Zeit. Hierzu gehörte, außer der Minsker Richtung, noch insbesondere diejenige, die durch die Berliner „Cheruth" mit Dr. Syrkin an der Spitze (gegründet in den Jahren 1901/2) vertreten wurde. Das war eine ganz eigenartige Gruppe. Ihr Grundgedanke, der in den von ihr herausgegebenen zwei Zeitschriften, dem „Hamon" in jiddischer und dem „Haschachar" in hebräischer Sprache vertreten wurde, war der, daß sich der jüdische Sozialismus nicht nur auf das eigentliche Proletariat, sondern auf die ganze arbeitende Schicht im jüdischen Volk (also auch auf Handwerker und kleine Unternehmer) zu stützen habe. Sie war auch infolgedessen nicht marxistisch und daher gegen den Klassenkampf. Sie verfolgte, als damals einzige jüdische sozialistische Gruppe in der Galuth, den Standpunkt des Hebraismus. Indessen war ihr Einfluß nicht groß, so daß sie im Lauf der Zeit vollkommen in der poale-zionistischen Partei aufging. Doch blieb der Gedanke eines sich auf die ganze arbeitende Schicht im Volke stützenden Sozialismus erhalten und sollte in der Zukunft einer der Grundpfeiler der Ideologie der späteren Partei der Zeire-Zion werden. Ehe wir zur Schilderung des organisatorischen Aufbaus und der weiteren Entwicklung der drei Parteien übergehen, wollen wir einen Blick auf ihre Gedankenwelt werfen, so wie sie sich kurz nach der Gründung der Parteien darstellte. Denn, wiewohl es sich auch in Zukunft manchmal ereignen sollte, daß sich zwischen Theorie und Praxis ein Widerspruch ergab (insbesondere sündigten die S. S. viel in dieser Beziehung), so wäre doch das Verständnis für die weitere Entwicklung der Parteien ganz unmöglich, wenn man nicht die Grundzüge ihrer programmatischen Einstellung und der sich daraus ergebenden theoretischen Konsequenzen kennen würde. Und es war eine reiche Gedankenwelt, die sich diese drei jungen Parteien schufen. Am weitesten entfernten sich von dem ursprünglichen poale-zionistischen Ausgangspunkt die Sejmisten. Sie gaben sowohl die materialistische Geschichtsauffassung wie auch die Nichtproletarisierungstheorie wie auch schließlich den Gedanken der unmittelbaren Palästina- (oder einer anderen territorialen) Arbeit auf. Ihre Weltanschauung war der der russischen Sozialrevolutionäre ähnlich. Alles schien ihnen letzten Endes vom nationalen Willen abhängig zu sein, der sowohl den Gang der ökonomischen, wie auch der politischen Entwicklung des Volkes bestimme. Sowohl ihre nationalen, wie auch ihre sozialistischen Anschauungen waren stark idealistisch gefärbt. Ihre originellste Konzeption war die des absoluten Primats der Galutharbeit. Der Gedanke, daß das Werk des Ausbaus der nationalen Heimstätte erst die Krönung des Werkes der nationalen Autonomie sein könne und in letzter Linie von jener abhänge, wurde bereits auf ihrer ersten Konferenz in Kiew ausgesprochen und erhielt dort die bekannte und später viel angefeindete Formulierung, daß sich der Territörialismus (als Gedanke der Verwirklichung der nationalen Heimstätte) dann und dort verwirklichen werde, wann und wo es die nationalen und sozialen Beziehungen

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