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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
27 (sequence 12)
Language
German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 27 system zum Programm dienen würde. Der Kampf mit dem Sejmismus um die poale-zionistischen Gruppen wurde der Anlaß dazu. Als der Austritt der S. S. aus der Zionistischen Organisation, somit also ihr Ausscheiden aus dem Lager der proletarischen Zionisten eine Tatsache wurde, gingen auch die übrigen poale-zionistischen Gruppen daran, sich zu organisieren. Die zur Zeit des VII. Zionistenkongresses (Basel 1^05) in Freiburg zusammengetretene poale-zionistische Konferenz, auf der bereits ganz klar der Gegensatz zwischen dem einen, mit der Idee des Sejmismus sympathisierenden Teil der Delegierten und dem anderen, streng marxistischen, der sich um Borochow gruppierte, zutage trat, wählte ein Organisationskomitee, das die Gründungskonferenz der russischen Partei der Poale-Zion vorbereiten sollte. Es zeigte sich aber bald, daß die Mehrheit der Mitglieder des Komitees dem Sejmismus zuneigte und konsequent in der Richtung arbeitete, die poale-zionistischen Gruppen den „Wosroschdenje" in die Arme zu treiben. Da ergriff Borochow die Initiative. Zusammen mit einigen Anhängern gründete er ein besonderes Organisationsbureau, das dem offiziellen Organisationskomitee entgegenarbeiten und die Gruppen für die von ihm propagierten Ideen gewinnen sollte. Es begann ein erbitterter Kampf um die einzelnen Gruppen. Der polnische und der Krimverband der Poale-Zion, sowie alle Gruppen in Poltawa und Umgebung gingen bereits nach kurzer Zeit auf Borochows Seite über, in den anderen Gruppen wurde lange und mit verschiedenem Glück gekämpft. Die vom Organisationskomitee nach Jekaterinoslaw berufene Konferenz ging, wie bereits erwähnt, zu den Sejmisten über, ebenso die in ihrer Folge berufenen Rayonkonferenzen in Jekaterinoslaw und Wilna. Dagegen sprach sich die Rayonkonferenz in Berditschew in ihrer überwiegenden Mehrheit für den Borochowismus aus. Dasselbe war der Fall in mehreren anderen Gegenden (Südlitauen, Weißrußland, Beßarabien). Auf Grund dieser Erfolge konnte bereits zur Gründung der Partei geschritten werden. Nachdem bereits die Poltawaer Rayonkonferenz (Dezember 1905) die theoretischen Grundlagen des modernen Poale-Zionismus einigermaßen formuliert hatte, wurde die Gründungskonferenz der „Jüdischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale- Zion" nach Poltawa (Februar 1906) berufen. Sie dauerte eine ganze Woche und wurde von einem sehr ähnlichen Schicksal betroffen, wie die Gründungskonferenz der S. S., denn auch in diesem Falle entdeckte die Polizei die Konferenz und verhaftete eine Reihe von Teilnehmern, hierunter auch Borochow selbst. Indessen gelang es auch in diesem Falle, die wichtigsten programmatischen Beschlüsse zu fassen und das erste Zentralkomitee der Partei zu wählen. Die definitive Formulierung des Programms erfolgte erst auf der II. Konferenz der russischen Poale-Zion (Krakau August 1907). So war denn um die Mitte des Jahres 1907 das Chaos der verschiedenartigsten Richtungen im proletarischen Zionismus zu Ende. An seine Stelle sind drei bestimmte und von bestimmten Parteien getragene Auffassungen getreten. Alle andere Richtungen, deren Gedankengänge nicht von den

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