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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
24 (sequence 9)
Language
German
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24 Arjeh Tartakower: „Nichtproletarisierungstheorie", der im Lauf der Zeit in ihre direkte Bekämpfung übergehen sollte. So hatte denn schon die Kiewer Konferenz die theoretischen Grundlagen der neuentstehenden Gruppe in ihren Hauptzügen formuliert. Es dauerte indes noch lange, bis sich auf Grund dieser Anschauungen eine festgeschlossene Partei entwickeln konnte. Die Gruppe, die sich zur Demonstrierung ihrer starken Bejahung der Galuth „Wosroschdenje" (Auferstehung) . nannte, blieb lange Zeit hindurch sehr klein und versuchte nicht einmal an die Bildung einer Partei heranzugehen. Sie suchte zunächst ihre Idee durch energische Propaganda zu popularisieren und blieb unterdessen im engen Kontakt mit den anderen poale-zionistischen Gruppen. In der von ihr herausgegebenen wissenschaftlichen Zeitschrift ,7Wosroschdenje" (in russischer Sprache, Heft i—2 März 1904 in Berlin, Heft 3—4 Ende 1904 in Paris, Heft 5—6 Dezember 1905) wurden die Grundgedanken der Gruppe wissenschaftlich vertieft und in eine feste Form gebracht. Zugleich versuchte die Gruppe, nachdem sie aus der neugebildeten Partei der S. S. (Zionisten-Sozialisten) bereits nach kurzer Zeit wieder ausgeschieden war, durch unmittelbare mündliche Agitation ihre Anhängerzahl zu vergrößern. In dieser Richtung gingen auch die Beschlüsse ihrer zweiten Konferenz (September 1905 in Krutschi, Mohilewer Gouvernement). Das Ziel wurde auch erreicht. Nachdem auf der Jekaterinoslawer Konferenz der poale-zionistischen Gruppen (September 1905) das Programm des „Wosroschdenje" angenommen und dieser Beschluß durch zwei Rayonkonferenzen (in Jekaterinoslaw und Wilna) bestätigt wurde, war schon die Möglichkeit gegeben, eine Partei zu bilden. Die Gründungskonferenz der neuen Partei, die sich „Jüdische Sozialistische Arbeiterpartei" (J. S.A. P., auch Sejmisten oder Serp) nannte, fand in Kiew im April des Jahres 1906 statt. Noch ehe es aber zur Gründung der J. S. A. P. kam, hatte der Differenzierungsprozeß unter den proletarischen Gruppen im Zionismus zur Entstehung einer anderen Partei geführt. Der unmittelbare Anlaß dazu war der Ugandakonflikt. Obwohl die poale-zionistische Fraktion auf dem 6. Kongreß zu den ,,Neinsagern" gehörte, so waren doch im Grunde genommen die Meinungen unter den poale-zionistischen Gruppen sehr geteilt. Nur _ ein Teil (hierunter alle polnischen Gruppen) stand prinzipiell auf dem Standpunkt des Palästinismus. Für alle anderen war die Frage: Palästina oder ein anderes Territorium, bloße Zweckmäßigkeitsfrage, bezw. Frage der Erkenntnis der treibenden Kräfte in der jüdischen Emigration. Und stand einmal der Sachverhalt so, so stand nichts mehr im Wege, daß eine bedeutende Zahl poale-zionistischer Gruppen, die nicht an eine Möglichkeit schneller Verwirklichung des Gedankens der Palästinakolonisation glaubten, - sich zusammenschloß und zur Gründung einer Partei auf der Basis der territorialistischen Ideologie schritt. Nachdem bereits im Juli 1904 in Warschau eine Vorkonferenz der territorialistischen Gruppen (an der auch ein Vertreter des „Wosroschdenje" teilnahm), stattgefunden und ein Organisationsbureau mit dem Sitz in Kiew gegründet hatte, fand die definitive Konsti-

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