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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
20 (sequence 5)
Language
German
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Arjeh Tartakower: an klar, daß sich eine derartige Verschiedenheit der Anschauungen nicht in einer Partei vereinigen lassen werde. So mußten denn die Versuche, all die lokalen Grupperi zu vereinigen, die kurz nach der Loslösung der russischen Poale-Zion von der allgemeinen Zionistischen Organisation einsetzten, zugleich eine endgültige Differenzierung der Anschauungen und damit auch die Ausbildung der Parteien mit sich bringen. Dieser Pozeß, der bereits im Jahre 1902 begann, nahm indessen angesichts des großen Chaos der Meinungen mehrere Jahre in Anspruch. Er gelangte erst im Jahre 1907 zum Abschluß. Die ersten Versuche, die proletarischen zionistischen Kräfte in einer einheitlichen Organisation zusammenzufassen, wurden von der poale-zionistischen Gruppe in Minsk unternommen, wo schon seit 1902 ein (allerdings wenig aktives) Zentralkomitee bestand. Die durch die Gruppe nach Wilna berufene Konferenz (Juni 1903) brachte zum erstenmal einen offenen Zusammenprall der Anschauungen. Von den drei auf der Konferenz zutage getretenen Richtungen war die eine, die sich in der Hauptsache um Minsk gruppierte, lediglich für Palastinaarbeit und gegen jede ökonomische und politische Arbeit in der Galuth, die andere war wohl für die ökonomische, aber nicht für die politische, die dritte sowohl für ökonomische wie auch für politische Arbeit. Die Konferenz konnte unter derartigen Umständen, obwohl sie zur Wahl eines Zentralkomitees mit dem Sitz in Minsk schritt, zu keiner Vereinheitlichung der Bewegung führen. Sie brachte indes die definitive Herauskristallisierung der frühesten poale-zionistischen Richtung mit sich, die jedoch bloß von kurzer Dauer sein sollte. Die Richtung stand, obwohl sie ihren sozialistischen Charakter betonte, in der Praxis dem allgemeinen Zionismus sehr nahe. Sie forderte die Konzentrierung aller Kräfte in der Richtung der Palästinaarbeit. Ökonomisch sei dem jüdischen Arbeiter ohnehin nicht viel zu helfen, und im politischen Kampf könne das jüdische Proletariat angesichts seiner Schwäche nicht viel leisten. So müsse man sich ganz der Volkssache widmen. Die völlige Passivität im politischen Kampf in Rußland blieb in der Folge das charakteristische Merkmal dieser Richtung, selbst nachdem sie sich nach dem Ugandakonflikt spaltete und zu einem größeren Teil in das Lager der Territorialisten überging, wo sie eine eigene Partei, die J. T. A. P. (jüdische territorialistische Arbeiterpartei, auch Mintschukes genannt) bildete. Eigentümlicherweise hatte sie ihr Zentrum in Minsk, also in derselben Stadt, wo fast gleichzeitig auch der „Bund" die Fronde jenes Teils seiner Mitglieder erlebte, der gegen den politischen Kampf war. Indessen war, wie den „Unabhängigen", so auch der Minsker Richtung des proletarischen Zionismus keine lange Lebensdauer beschieden. Nach der russischen Revolution des Jahres 1905, die einen ungeahnten Aufschwung des politischen Interesses der Massen mit sich brachte, gingen beide Teile der Minsker Poale-Zion, sowohl die J. T. A. P. wie auch die Palästinaanhänger zu den entsprechenden proletarischen zionistischen Parteien (S. S. bezw. Poale-Zion) über. Im scharfen Gegensatzzur Ideologie der Minsker Richtung der Poale-

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