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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1923-01-01
Page
17 (sequence 2)
Language
German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus *7 sieht hatte der „Bund" in hervorragender Weise vorgearbeitet) konnte indes diese Periode des völligen Aufgehens in der zionistischen Partei und der unterschiedslosen Übernahme ihrer Ideologie ^nicht lange währen. Das Unnatürliche des Beisammenseins in einer Organisation mit demselben Unternehmer, gegen den man im ökonomischen Kampf stand, (und gerade die Jahre 1897—19°° waren, wie wir schon wissen, Jahre äußerst zahlreicher Streiks in der jüdischen Gasse), war in der Tat höchst auffallend. Daß es immerhin fast fünf Jahre dauerte, bis sich die Arbeiterfraktionen im Zionismus herauskristallisierten, das hat seine Ursache einerseits darin, daß die Arbeiterschaft in den ersten Jahren im Zionismus sozusagen eine Sabbathsache sah und glaubte, einen Trennungsstrich zwischen nationalen und sozialen Bestrebungen ziehen zu können; anderseits mangelte es auch an einer auch nur einigermaßen klaren Ideologie, auf die sich eine Arbeiterfraktion im Zionismus im Gegensatz zu der bourgeoisen Richtung hätte stützen können. Im Lauf der Zeit verschwanden beide Mängel. Je älter der Zionismus wurde, desto mehr drang er in das Alltagsleben des Einzelnen ein und konnte von dessen übrigen Strebungen oft nicht mehr gesondert werden. Anderseits begann sich die Ideologie des Arbeiterzionismus langsam herauszubilden. In dieser Hinsicht war die Mentalität des jüdischen Arbeiters, der, mochte er einer sozialistischen Partei angehören oder nicht, in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle bereits sozialistisch dachte, der schöpferische Faktor. Man begann erstens das Gefühlsmoment, das in den ersten Jahren des Zionismus sehr vorherrschte, zurückzudrängen. Der Arbeiter, der auf die materialistische Auffassungsweise eingedrillt war, wollte auch das Streben nach Palästina innerhalb dieser Gedankenrichtung verstehen. Anderseits begann man den Zionismus überhaupt vom Standpunkt des Proletariats, seiner Lage und seiner Interessen zu betrachten. Diese beiden Tatsachen waren für das Entstehen des proletarischen Zionismus entscheidend. Man kann ruhig behaupten, daß die Stunde, in der zum erstenmal der Versuch gemacht wurde, den Zionismus vom Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffassung als eine Bewegung des Proletariats und. seines Interesses zu betrachten, zugleich die Geburtssturide des proletarischen Zionismus war. Das genaue Datum kann natürlich nicht angegeben werden. Langsam und zagend kam man zu dieser hochbedeutsamen Anschauung. Der erste proletarische zionistische Verein in Rußland entstand erst drei Jahre nach der Geburt des politischen Zionismus (in Minsk im Jahre 1900). Es folgten dann aber rasch derartige Vereine in allen größeren Städten. Die organisatorische Loslösung der Arbeiterzionisten, die sich schon vorher zumeist Poale-Zion nannten, von der allgemeinen Zionistischen Organisation erfolgte zuerst in Rußland anläßlich der zweiten Konferenz der russischen Zionisten in Minsk, im Jahre 1902. Ein Jahr später bildeten sich die ersten Vereine der Poale-Zion in Österreich (als erste entstanden die Vereine der Handelsangestellten in Krakau) und im Jahre 1905 entstand die poalezionistische Bewegung in Nordamerika. Indessen ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich die Anschauungsweise des proletarischen Zionismus Heft 1. 2

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