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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 13

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Das Judentum im deutschen Denken
Date
1923-01-01
Page
13 (sequence 6)
Language
German
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Paul de Lagarde 13 anderes als säkularisiertes Judentum. Auch ihn charakterisiert der* Aberglaube an die starre, objektive, einmalige, einzelne Tatsache. Nur dadurch ist den Juden Einfluß auf die Deutschen möglich geworden, ohne Neugeburt in deutschem Geiste. Deutschtum auf der Grundlage jüdischer Religion — das ist ein Widerspruch in sich selbst. In der Tat! So und nur so darf die Frage gestellt werden: Wie konnte es trotz der inneren Fremdheit von Deutschtum und Judentum zu der sogenannten Assimilation kommen? Und die Antwort auf diese Frage wird nicht umhin können, die allgemeine Form derjenigen Lagardes zu tragen: Nur durch eine gewisse „Verjudung" des deutschen Geistes war diese Assimilation möglich. Wir halten es nicht für nötig auszuführen, inwiefern Lagarde, wenn er sich mit dem Hinweis auf den Geist der Gebildetheit begnügt, Wesentliches außer Acht gelassen habe. Aber ganz gewiß ist dieser Geist ein wichtiges Moment im deutschen Judentum des 19. Jahrhunderts: Gumpelino! Die Assimilation bedeutet, wie sie trotz gewisser Abschwächungen in der Hauptsache die traditionelle Abschließung des Judentums nach außen fortsetzt, eine Gefährdung des deutschen Wesens. Solange die Juden das Religionsgesetz halten, können sie keine Deutschen werden. Denn der Sinn dieses Gesetzes ist die Verhinderung von innigem Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden. Es entfremdet die Juden dem ,,vollen Leben", indem es, z. B. durch das Verbot der Verschneidung von Tieren, Ackerbau und Viehzucht unmöglich macht. Und wenn es vollends gestattet, die religions-gesetzlich verbotenen, lebenswichtigen Maßnahmen durch Nichtjuden ausführen zu lassen, so zeigt es damit deutlich, daß es nicht, wie seine Apologeten behaupten, „um der Humanität willen" geboten ist, denn „es ist unsittlich, den Heiden zu etwas zu veranlassen, was man selbst für unerlaubt hält, aber nicht entbehren kann und mag". Der Abschluß nach außen ist der Sinn des Gesetzes — folglich ist, solange das Gesetz in Wirksamkeit ist, keine Verschmelzung mit dem Wirtsvolke möglich. Und wenn das Wirtsvolk kein fremdes Volk in seiner Mitte dulden kann? Denn die Juden sind fremd — man sehe auf den Stil ihrer Synagogen, man sehe, mit welcher Verständnislosigkeit und welchem Haß sie den höchsten Traditionen des Deutschtums — dem Mittelalter — und der tiefsten Empfindung der Deutschen—dem Sinn für Rangstufen, den sie „gemeinen Knechtssinn" schelten — gegenüberstehen! (Lagarde denkt dabei an Geiger und Graetz.) Und dann dieser Leute Stellung zu ihrer eigenen Geschichte: Was ihnen nicht paßt, leugnen sie. „Das moderne Judentum segelt stets unter falscher Flagge." Sie haben keine andere als die politisch-apologetische Tendenz. Das liberale Judentum rühmt als Vorzüge des Judentums 1. den Monotheismus — aber der hat so wenig mit Religion zu tun, wie das Wissen um die Einwohnerzahl Deutschlands mit Patriotismus; zudem ist er keineswegs spezifisch jüdisch; — 2. das Fehlen einer Dogmatik — aber es ist kein Vorzug, keine zusammenhängende Anschauung von

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