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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 1 · p. 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 1
Article
Politische Gegenwartsprobleme des deutschen Judentums
Date
1923-01-01
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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Politische Gegenwartsprobleme des deutschen Judentums 3 Holzkreuzen, in zweitausend Meter Höhe. Den Dritten habe ich nicht außen, um so deutlicher aber innen gesehen. Als ich im Juni 1917 bei Medeazza unser Angriffsterrain zu erkunden hatte, fand ich unter Höhe 145 ein halbes Geschützrohr, daneben lag geöffnet ein dickes hebräisches Gebetbuch. Daß diese tausendfach wiederholten Züge in der Gesinnung unserer Feinde keinen Wandel geschaffen haben, ist nicht erstaunlich,. In allen Lagern war Feigheit oder vernünftige Vorsicht ein so hervorstechendes Merkmal des allgemeinen Verhaltens, daß daneben die Züge soldatischer Gesinnung nicht recht aufkamen; das war bei den Juden nicht anders als bei den Ariern, nur daß Abneigung und Vorurteil hier alles hundertfach vergrößerten. Dazu kam eine andere soziologische Perspektive, die der Erkenntnis einer ganz normalen jüdischen Kriegsleistung nicht günstig war. Fast durchaus bürgerlichen, und besonders „freien" oder kommerziellen Berufen angehörig, große Theater- und Musikfreunde, Natur Schwärmer ohne viel eigenen Gartenbesitz, also nur Sommerfrischler und Touristen, traten die Juden vor dem Kriege dem Nichtjuden in einer Massenhaftigkeit vor die Augen, die ihren prozentuellen Anteil an der Gesamtbevölkerung weit überstieg. Diese Beobachter hätten nur dann von einem starken Anteil der Juden an den Kriegshandlungen überzeugt werden können, wenn sie im Schützengraben jüdische Mitstreiter so häufig getroffen hätten wie auf der Friedrichstraße. Hier aber trat natürlich das wirkliche zahlenmäßige Verhältnis in Erscheinung, d. h. bei völlig gleicher Tauglichkeit etwa einer auf hunöertzwanzig, knapp zwei pro Kompagnie, In der Etappe waren sie hingegen als Magazinbeamte, Schreiber, Ärzte, Krankenpfleger gerade an solchen Stellen beschäftigt, wo viele Menschen mit ihnen in Berührung kamen, so daß der Eindruck entstehen konnte, als seien da jüdische Drückeberger angehäuft. Es konnte dies sogar zutreffen, ohne doch damit im geringsten ärgere Frontscheu des Juden zu erweisen: in der Landwirtschaft, in der Schwerindustrie, im Bergbau, im staatlichem Beamtentum standen den Nicht juden ungeheure Reservoire von Froxitfernen zur Verfügung; freilich waren dies sozial fast unsichtbare Scharen, während der eine jüdische Arzt oder Lagerverwalter ärgerliches Aufsehen erregte. Es war also unbefangenere, Beobachtung und besserer Wille nötig, als ihn unsere Feinde hatten, um zu sehen, daß die Juden den Krieg nicht im mindesten sabotiert, ja über das Pflichtmaß hinaus sich für die deutsche Sache eingesetzt haben. Das Verhängnis wollte es auch, daß von den krieg^gewinnenden Ständen gerade der sichtbarste, Kaufleute und Börsenmenschen, stark von Juden durchsetzt ist, während der sich ebenfalls bereichernde Bauernstand etwas außer Augen bleibt. Entscheidend aber für die gegenwärtige Einschätzung des Judentums war das aktive Eingreifen jüdischer Politiker und Agitatoren bei Kriegsende. An sich war dieses Hervortreten in der allgemeinen Kräfteläge begründet. Die ganz unjüdischen Gewalthaber Deutschlands hatten so gründlich ausgespielt, daß im Zusammenbruch das abseitige Judentum 1*

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