Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Ein Verwandter
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 730 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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730 Bemerkungen: Ein Verwandter Denn wir können hier nicht weilen, Müssen vorwärts, meine Kinder, müssen dien Gefahren trotzen, Wir, die jungen sehnigen Stämme, alle hängen ab von uns, Pioniere! Pioniere! ö ihr Jungen aus .dem Westen, So voll Ungeduld und Tatkraft, voller Männerstolz und Freundschaft Deutlich seh* ich euch, ihr Jungen, euch marschieren an der Spitze, Pioniere! Pioniere! Stehen still die älteren Rassen? Enden welkend ihre Lehren, müde drüben über Ozeanen? Unser sei das Volk, das ewige, und die Bürde und die Lehre, Pioniere! Pioniere! Hemmungs-, ruhelose Rasse, O du ganz geliebte Rasse! 0 mir schmerzt die Brust vor Liebe für alle! O ich traure jubilierend, bin verzückt vor Liebe für alle, Pioniere! Pioniere! Hebt die mächtige Mutter-Herrin, Schwinget hoch die zarte Herrin, über alles die Sternenherrin (neigt die Häupter), Die bekrallte tapfre Herrin, waffenstarrend, ernste Herrin, Pioniere, Pioniere! Seht meine Kinder, entschlossene Kinder, Bei den Schwärmen auf dem Wege dürfen wir nicht halten, zaudern, Geisterhafte Jahrmillionen drohen hinter uns und treiben, Pioniere! Pioniere! Vorwärts, vor die festen Reihen. Frische Truppen ständig wartend, und der Toten Plätze schnell gefüllt, Durch die Schlacht, durch Niederlage, immer weiter, niemals haltend, Pioniere! Pioniere! 0 zu sterben auf dem Vormarsch, Sollen welche von uns sinken, sterben? ist die Stunde da? Dann laßt lieber auf dem Marsch uns sterben, Lücke wird im Nu gefüllt, Pioniere! Pioniere! * In dem ganzen, sehr langen und verhältnismäßig bekannten Gedicht bestätigt sich die Analogie zu unserem eigenen Leben, die der hier wiedergegebene Anfang verspricht. Wagen wir es nur, für den Refrain das uns vertrautere „Chaluzim, o Chaluzim" einzusetzen. Ändern wir ein paar Staatennamen. Und es ist, als hätten wir Stummen eine Sprache gefunden, als hörten wir unser nationales Epos. In der Folge der Strophen steht alles vor uns auf, was unser Leben im'neuen Lande ist: Uns entgegen wandert eine geschlossene Schar von jugendlichen Männern. Sie marschieren auf unbekannter Erde, in eine ungewisse, gefahrschwangere Ferne, die'vielleicht mit Waffen zur Überwindung von Feinden wie mit Wafferi zur Überwindung von Naturmächten erobert werden muß. Die Jugend dieser jungen Eroberer umbraust uns, ihr Tatendrang und auch die Verantwortung ihrer Aufgabe als Wegebahner. Sie, die sich losgerissen haben von der Kultur Europas, die das Volk aus der alten Welt hinausführten ins Ungewisse, sie müssen sich nun eine neue Kultur erkämpfen. Unter Mühen und Gefahren des Körpers muß der Weg zu dem neuen Geiste gebahnt, müssen die Kräfte der Natur bezwungen und dienstbar gemacht werden. In der Schar der Pioniere mischen sich Abkömmlinge aller Zonen, mit den Eigenarten aller Staaten, Angehörige aller Berufe— alle vereint in gemeinsamem Werk, gemeinsamer Zukunftshoffnung, umschlungen von einer Liebe, die in jedem einzelnen Volksgenossen die eigene und des anderen Eigenart liebt und zugleich die Eigenart des ganzen Volkes. Dieser Gemeinschaft der Bahnbrecher wurde zum Symbol das Volksbanner: Zeichen der Macht und Mütterlichkeit*