Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Ein Verwandter
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 731 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Bemerkungen: Ein Verwandter 731 Zeichen des zarten Weibtunis und Zeichen des kriegerischen Trotzes und Willens zur Abwehr. Mitten im siegesfrohen Erobern werden diese Neuen immer wieder bedrängt von den Schatten der Kulturen, aus denen sie sich schon ganz losgelöst glaubten, denen sie nur durch ganze Hingabe an das Werk des Tages entrinnen können. Wenn sie bei diesem Werk der Tod erfaßt — was tuts, solange andere da sind, es zu vollenden? So groß ist das Werk, daß es das Lebensgefühl der ganzen zuschauenden Welt erhöht und so auf das Werk der ganzen Menschheit einwirkt Und in der Einfügung seines Werkes in das Werk der Menschheit erschließt sich dem Sohn der neuen Welt der Sinn allen Lebens, aller Gruppen der Menschheit, allen Schaffens; seiner großen Liebe öffnet sich das Gefühl für alles, was menschlich ist: „alle Guten, alle Bösen". Über die Menschheit hinausgreifend, umfaßt seine Liebe den Geist des Weltalls: eine neue Kultur ist geboren, durch ihn geboren. Um dieses Morgen willen liebt er das Heute, um des künftigen Welterlebnisses willen, dem er mit seines Körpers Kraft den Weg bahnt. Alle Einzelnen seines Volkes müssen ihm Kameraden an diesem Werk werden, keiner soll ausgeschlossen sein, auch die Frau soll Kamerad sein. Und schon ahnt er, der mit Naturgewalten Ringende, daß es bald auch Zeit sein wird für eine neue Kunst, für einen neuen Ausdruck für die Menschenseele, der mit der Gewalt seiner Wahrheit die in ihren Formen erstarrten Künste der alten Welt zum Verstummen bringt. Die mit solcher Mission in die unbekannte Ferne gehen, verachten die Freuden bürgerlichen Wohllebens — ihr Leben ist Leben des Hungers und der Entbehrung, und sie lieben den Hunger und die Entbehrung. In dieser Hochspannung sind sie an jedem neuen Morgen zu neuer Mühe und Gefahr bereit, ein vollgerüstetes, festgefügtes, siegesfrohes Arbeitsheer. * Fehlt in diesem Heereslied eines Heeres ohne Feind ein einziges der Elemente unseres palästinensischen Lebens? Alles ist vereint: unser Heute, unser Morgen, an dem wir in uns selbst festgefügt stehen werden, in Brüderlichkeit vereint an der Spitze der Menschheit, eingefügt in das Weltall. Alles Gut von unserem Gut, nur projiziert auf einen Erdteil. Auch für unseren moralischen Glauben, den Glauben an die Errichtung der Demokratie, finden wir den Ausdruck. Walt Whitman nennt hier diesen Glauben nicht mit Namen, doch auch da, wo er ihn nicht nennt, ist er uns gegenwärtig als Triebfeder seiner neuen Welt Allein auch dieser neue Glaube in den Dimensionen der neuen Welt ausgeweitet: in den Begriff einer schmerzhaft beseligenden Liebe zum Weltall, zur Menschheit, zum Kontinent, zum Staat, zur Volksgemeinschaft, zum Kameradentrupp, zum Nächsten, zum Fernsten, zu allem Menschlichen — „alle Guten, alle Bösen". * Vielleicht kann, bis der Tag kommt, an dem wir selbst eine Sprache für unser Erlebnis gefunden haben werden, kein anderer so sehr unsere Seelen lösen wie der Sohn und Künder einer anderen, neuen und um ihr Werden ringenden Welt. Helene Hanna Cohn (Jerusalem)