Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Sabbath
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 725 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath 725 und Zeitbild, das stark romantisch ist, vermögen hier ineinander zu wirken. Denn die Loslösung yom Alltag, das sich Einschließen in den Raum der Sabbathruhe ist Romantik. Wir können sie aber nur erleben, wenn der Sabbath wirklich wieder Tag des Ausruhens von der Arbeit wird. Da wir den Sabbath nicht nur auf jüdische Art wollen, sondern ihn auch gar nicht anders können, ist es unmöglich, die Sabbathidee am Sonntag zu verwirklichen. Es möge jemand den Versuch machen — und wenn es jemand ist, der bis dahin der religiösen Überlieferung ganz fern stand, der nie einen Sabbath erlebte — ich sage: es möge jemand den Versuch machen, den Sonntag auf jüdische Art zum schabbath kadosch zum heiligen Ruhetag zu machen — der Versuch kann nicht gelingen. Wir werden, so lange der Sonntag unser Ruhetag sein muß, uns in Mizrajim fühlen müssen. Aber die jüdische Jugend, die nach Erez Israel gehen will, muß mit dem Willen hingehen, den siebenten Tag wieder zu einem Sabbath zu machen. Und sie muß versuchen, hier schon das Sabbatherlebnis vorzubereiten, d. h. sie mehr lernen! „Und der Ewige gebot Mose also: Du aber befiehl den Israeliten folgendes: Beobachtet mir ja meine Ruhetage! Denn er ist ein Zeichen zwischen mir und Euch von Geschlecht zu Geschlecht „W'schamru b'nee jisrael eth haschabbath laassoth eth haschabbath ledorotham brith olam" — so sollen also die Israeliten den Sabbath beobachten, in dem sie den Sabbath feiern von Geschlecht zu Geschlecht, kraft einer für ewige Zeiten geltenden Verpflichtung. Für ewige Zeiten sei er ein Zeichen zwischen mir und den Israeliten." B'ni uwen b'nee jisrael oth hi leolam. Der Sabbath ein ,,oth", ein Symbol zwischen Gott und Israel, das Symbol des Andersseins, dieses Andersseins, das wir als die Synthese von Religion und Sozialismus begriffen. Alles, was wir am Sabbath tun und unterlassen, die Erfüllung der Sabbath- Halachah, hat den Zweck, diesen Tag zu einem Ausdruck des Andersseins zu machen. Hier hat eine Erneuerung der Tradition anzuknüpfen, so wie hier auch die Anknüpfungsmöglichkeit an die Bedingungen unserer Zeit liegt. Ich will das nur an einem Beispiel zeigen. Der Chassidismus hat uns gelehrt, wie wir auch das Leben, die Verrichtungen des Alltags heiligen können, wie alles, was in der Weihe getan wird, dem Einheitsstreben des Judentums dient. Nicht die kleinen alltäglichen Verrichtungen entweihen den Sabbath, wenn wir seine beiden Inhalte ,,menuchath schabbath" und ,,oneg schabbath", Ruhen von der Erwerbsarbeit und wonnevolles Ruhen in Gott erleben, vielmehr finden auch sie in dem heiligen Raum des Sabbath ihre Weihe. Es muß endlich einmal mit dem Entweder Oder — entweder das ganze Gesetz erfüllen oder gar nichts — derer, die nicht die Sabbathidee unter der Schale des Gesetzes noch zu erkennen vermögen, gebrochen werden. Wir haben den Sabbath wieder als den zentralsten Ausdruck jüdischen Seins kennen gelernt. Wir sind hineingestellt in eine jüdische Wiiklichkeit, die — wie wir anfangs sagten — ebenso Orthodoxie heißt wie Liberalismus, ebenso Abbruch wie Neubau. Aus dieser unserer Wirklichkeit