Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Sabbath
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 724 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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724 Hugo Rosenthal: Das gilt letzten Endes auch von den Dingen. Jeder Schaffensprozeß soll seine Unterbrechung finden. So nur begreifen wir das Verbot des Feueranzündens am Sabbath, wenn wir die übliche liberale Erklärung, das Anzünden von Feuer sei in alter Zeit eine schwere Arbeit gewesen, nicht gelten lassen wollen* Von allen Sabbathforderungen hat sich die des Ausruhens von der Arbeit am wirksamsten in der Menschheit durchgesetzt. Aber man darf wohl behaupten: je stärker die soziale Seite des Sabbathgedankens durchdrang, desto mehr erstarrte sein religiöser Inhalt in den wenigen Ausdrucksformen des Religiösen: Gottesdienst und Gebet. Immer weniger ist der Sabbath ein Tag „dem Heiligen geehrt". Die höchste Steigerung des Sabbathgefühls, der Einbruch der neschamah jethera ward nicht zum Erlebnis der Menschen, denen der Ruhetag eine willkommene Befreiung von der Last der Arbeit ist. So steht der Sabbathgedanke in unseren Tager an einem Scheidewege. Geht er ein in den Mechanismus unserer Zeit, d. h. wird er ein Gegenstand des Weltgetriebes, statt wie ursprünglich ein Teil der Weltordnung zu sein — so ist es gewiß, daß er den Zusammenbruch dieser Zeit nicht überdauert. Empfängt er aber von neuem die Schwungkraft des Religiösen, d. h. verwächst er inniger dem Ermüdungs- und Erneuerungsrhythmus der Welt, dann mag es sein, daß sein Weg dem großen, von unseren Propheten geschauten Ziele zuführt: dem ewigen Menschheitssabbath. VI. Der Versuch, die beiden Inhalte des Sabbathgedankens gesondert zu betrachten, mag bedenklich erscheinen. Dem besonders, in dessen Seele der Sabbath als eine ungestörte Einheit waltet. Aber ich spreche aus Menschen, die Gott zwar in ihrem Tun verwirklichen wollen, es jedoch nicht auf eine so lebendige Art vermögen, daß das Bewußtsein der Reinheit all ihres Tuns ihnen Gottfülle gewähre. Aus Menschen, die nicht so sehr dem Strömen des Geistes in der Zeit, als den an der Oberfläche dieses Stromes sich bildenden und platzenden Geistesblasen der „Weltanschauungen" verhaftet sind. Denen die Einfältigkeit selbstverständlichen Erlebens fehlt, und die doch aus ihrer Vielfältigkeit zur Einheit wollen. Und ich spreche zu Menschen, die es auf jüdische Art wollen, d. h. die diese erstrebte Einheit im Einklang mit dem Einheitsstreben des Judentums wollen. Die aber nicht genug Juden sind, daß sie sagen könnten: naasseh w'nischma, wir wollen erst tun und dann begreifen. So hat der obige Versuch seine Berechtigung, Ihm muß aber die Tat folgen. Wir dem überlieferten Gesetz untreue Kinder unseres Volkes wollen den heiligen Sabbath wieder in seine Stelle einsetzen. Er soll uns, wie er es unseren Vätern war, Ausgangspunkt neuer Jüdischkeit werden. Freilich wollen wir uns hüten vor der zu nichts verpflichtenden Freitagabend-Romantik der Liberalen. Wiederum kann diese Romantik in uns den Sabbathgedanken fördern, wenn sie die Grundstimmung abgibt für unsre religiöse Intention und unsre soziale Forderung. Sabbathtradition