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Der Jude · 1923-01-01 · Heft 12 · p. 726

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 12
Article
Der Sabbath
Date
1923-01-01
Page
726 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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726 Hugo Rosenthal: Der Sabbath heraus müssen wir den Sabbath gestalten. Allen Hemmungen des Wirtschaftslebens, der Erziehung, unserer Unkenntnis zum Trotz ihn gestalten, immer dabei den Willen habend, diese Hemmungen als Awduth, als Knechtschaft zu empfinden und sie zu beseitigen. Darum werden wir auch trotz aller Gefahr der „Romantik" daran gehen, den Teil des Sabbath, der noch nicht dem Erwerbsleben verfallen ist, den Freitagabend, erew schabbath zu retten. Weil wir nicht sagen: alles oder nichts! sagen wir: lieber in den wenigen Stunden des Freitagabends das Sabbatherlebnis als gar keines. Alle Kraft unserer Seele, alles Wissen von Sabbathruhe und Sabbathwonne sei hineingelegt in die „Kabbalath schabbath", in den Empfang des Sabbath. Wir wissen von den Kabbalisten, mit welcher Andacht sie die Sabbathbraut empfingen. Ihre Inbrunst wollen wir hineintragen in unseren Sabbathwillen, Stunden des Andersseins muß uns „oneg schabbath" bereiten, losgelöst vom Alltag. .Da mag die Romantik der Sabbathlichter die einen noch verwirren. Der Zauber der S'miroth — und das können Lieder der Chaluziuth sein so gut wie Gesänge von Brahms und Schubert — die Hingabe an das Lernen — und das kann Thorah sein so gut wie Perez, Landauer und Else Lasker-Schüler — die Freude des Mahls all dies wird uns aus dem Alltag in die Schwingungen des Heiligen versetzen. Wir werden uns öffnen zu jener Alloffenheit, welche die „neschamah jethera", die Sabbathseele in uns einbrechen läßt. So können wir selbst an einem Teile des Sabbath den Sabbathgedanken in seiner Ganzheit erleben. Freilich wird uns dies bald nicht mehr genügen. Wir werden an uns erfahren, daß es des Zeitraums von einem Untergang der Sonne bis zum nächsten bedarf, um mehr als einen Blitz des Sabbath in uns zu fühlen. Wir werden hungrig nach der vollen breiten Ruhe des Sabbathtages. Und wir werden endlich fühlen: auch dies ist noch „mizrajim", Knechtschaft. Aber uns, die wir den, Willen haben, das Land unserer Väter aufzubauen, die alte jüdische Synthese von Religion und Sozialismus in Erez Israel wieder zu verwirklichen, uns winkt „cheruth", Freiheit: die Möglichkeit, auch den Sabbath wieder als stärksten Ausdruck dieser Synthese zu feiern. Daß sie ,,cheruth al haluchoth" — Freiheit im Gesetze — sein muß, dies zu erkennen durch „Lernen", zu verwirklichen durch „Chaluziuth" ist Aufgabe der heimkehrenden jüdischen Jugend.

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