Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Sabbath
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 720 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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720 Hugo Rosenthal: einlegen. Durch die Besonderheit sabbathlichen Tuns soll uns die Besonderheit des Tages greifbai werden. Aber es gibt noch einen rein geistigen Ausdruck des Sabbathgedankens, den von der Vorstellung des Sabbaths als einen „Raum". Dieser Raum ist unbegrenzt und begrenzt zugleich. Denn wo auch in der Welt ein Mensch den Sabbath wahrhaft erlebt, da breitet sich sabbathlicher Raum um ihn, ,,er breitet aus die Hülle des Friedens", wie es im Gebet heißt. Und doch ist dieser Sabbathraum für den Einzelnen begrenzt und beschränkt. Nicht durch die zweitausend Ellen des Th'chufh, wohl aber durch den Aktionsradius des vom Sabbath erfüllten Hauses. Das mag im Augenblick merkwürdig klingen, dem insbesondere, der es nie erlebte. Ich muß hier von persönlichen Erfahrungen sprechen. Das intensivste Sabbatherlebnis habe ich in meinem Hause und in der Synagoge, auch auf dem Wege zwischen beiden. Auf weiteren Spaziergängen läßt die Intensität nach. Das Erlebnis wird fast aufgehoben, wenn ich in die Straßenbahn steige und nach der dreißig Minuten entfernten Stadt fahre, sei es auch, um mir einen geistigen Genuß zu verschaffen. Nicht die Tatsache des Straßenbahnfahrens zerstört mein Sabbatherlebnis — wiewohl sie mich in einem jüdischen Lande stören würde — denn ich fahre seit meiner Knabenzeit am Sabbath. Irgend welche anerzogenen Gefühle kommen also nicht in Betracht, zumal das Sabbatherlebnis nicht gestört wird, wenn ich von der Synagoge mit der Straßenbahn nach Hause fahre. Die Aufhebung des Sabbaths geschieht einfach dadurch, daß ich den Aktionsradius des Sabbaths, den Sabbathraum, überschreite. Dieser Gedanke nun scheint mir den beiden Stellen im Exodus und Deuterojesaia zugrunde zu liegen: Dadurch, daß der subjektive Sabbathbezirk verengert wird, gewinnt er an Intensität. Dennoch ist ein grundlegender Unterschied zwischen den beiden Sätzen. Im Exodus handelt es sich um die Verringerung des meß baren Raumes. Im Deuterojesaia handelt es sich um eine Verringerung des wert baren Raumes, der Inhalts -Qualitäten, „daß Deine Wege Du nicht tust, Dein Geschäft nicht suchst und Geschwätz nicht schwätzest. .das bedeutet fast Ausschaltung des Alltäglichen aus dem Sabbathraum. Und wenn wir nun noch die Steigerung des Sabbathcharakters vom „massos" zum „oneg" in Betracht ziehen, so erkennen wir, daß der Satz des Deuterojesaia wirklich einen bedeutenden Höhepunkt in der Entwicklung des Sabbathgedankens darstellt. Es wurde eben angedeutet, daß die Einschränkung der Inhaltsqualitäten fast ein Ausschalten des Alltäglichen bedeute. Wann das endgültig vollzogen wurde, kann wohl kaum festgestellt werden. Ich muß immer wieder betonen, daß hier die Entwicklungslinie des Sabbathgedankens nicht chronologisch, sondern psychologisch dargestellt werden soll. Unter diesem Gesichtspunkte erscheint die völlige Ausschaltung des Alltäglichen und die Einschränkung des Sabbathraumes auf das, was heilig ist, als die nächste Steigerung. Sie findet ihren Ausdruck in Kiddusch und Hawdalah. Man kann die Stellung des Kiddusch in dem ewigen Rhythmus