Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Sabbath
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 719 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath die der späteren Beter? Riß der Anblick des dampfenden Opferblutes sie in den Taumel der von uns angenommenen heiligen Ekstase, in der sich höchste Religion, Einung mit Gott vollzog? Oder-war das Opfer nur das, als was später Prophetenzorn es brandmarkt, „ein greulicher Brand"? „Neumonde und Sabbathe ... . ertrage ich nicht . .. . sie sind mir zur Last geworden". (Jes. i; 13, 14). Wir können das heute nicht mehr feststellen, aber wir wissen aus Hosea, daß der Sabbath ein Tag der Fröhlichkeit war. „Ich will all ihrer Fröhlichkeit: ihren Festzügen, ihren Neumonden und ihren Sabbathen ein Ende machen". (Hos. 12, 13.) Vielleicht liegt hier eine Entwicklung von den mit Schauer erfüllten Sabbathopfern zu der ungebundenen Fröhlichkeit sabbathlicher Prozessionen. Wir wissen es nicht. Aber wir vernehmen die religiöse Sabbathforderung von der steil aufragenden Höhe des Deuterojesaia: „. .. so Du den Sabbath Wonne nennst .. Hier wird die Entwicklungslinie aus dem Gebrauch der beiden Wörter, mit denen Hosea und Deuterojesaia den Sabbath charakterisieren, deutlich. Hosea sagt massos Fröhlichkeit. Überall, wo wir sonst in der Bibel das Wort finden, bedeutet es wie hier die starke Erregung der Freude mit einem Beiklang von Sinnlichkeit. Es ist ja auch nicht ausgeschlossen, daß die Feier des Sabbaths und der anderen Feste — wenn auch nicht gerade mit geschlechtlichen Exzessen — so doch mit üppigen Gastereien (Jes. 28,7) begangen wurde. Deuterojesaia hingegen sagt: oneg Wonne. Die Verbalform dieses Wortes, hitaneg sich laben, sich freuen, kommt meist in dem Sinne vor: an einer Sache Genüge finden, vor allem an Gott. Oneg bedeutet in unserer Stelle also die stille Freude in Gott. Es bedürfte nicht einmal dieser Untersuchung, um die Steigerung des religiösen Sabbathgedankens von Hosea bis Deuterojesaia darzutun, sie wird aus dem Wortlaut der Stelle von selbst ersichtlich. „Wenn du des Sabbaths wegen hemmest deinen Fuß/ an meinem heiligen Tage dein Geschäft zu tun; so du den Sabbath Wonne nennst, dem Heiligen geehrt; so du ihn ehr:t, daß deine Wege du nicht tust und dein Geschäft nicht suchst und Geschwätz nicht schwätzest....." Die Bedeutung dieses Wortes wird weiter klar, wenn wir es mit dem anfangs zitierten Verbot des Einsammelns von Manna vergleichen. >>.... Seht doch, der Ewige hat euch den Sabbath eingesetzt, daher gibt er euch am sechsten Tage Speise auf 2 Tage. So bleibe jeder daheim. Niemand soll am siebenten Tage seinen Ort verlassen. . . ." Folgerichtig knüpft die Tradition an dieses Wort an, wenn sie die Grenzen des Sabbathbezirks festsetzt. Und ich bezweifle auch nicht, daß sie mit der Festsetzung des Th'chum der religiösen Gedanken dieser Stelle völlig erkannt hat, aber — wie ich schon sagte — sie kaserniert ihn gleichzeitig. Der religiös-soziale Sabbathgedanke kann auf zweifache Weise ausgedrückt werden. Einmal durch sinnlich wahrnehmbare Formen: Kiddusch, Hawdalah, Gottesdienst, Kleidung, Lernen usw. Solche Formen, faßbarer, verständlicher als Gleichnisse, wollen die Idee in unser Tun hin-