Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Sabbath
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 718 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7i3 Hugo Ros enthal: nachträglich von dem religiösen Gedanken geheiligt wurde, oder ob die religiöse Idee aus ihrem Bedürfnis die soziale Forderung schuf. Selbst wenn es feststände, daß die Israeliten den periodisch wiederkehrenden Ruhetag von den Babyloniern übernahmen, so ist damit durchaus nichts entschieden. All unsere Quellen bezeugen nur, daß der Genius Israels seinem Volke das Sabbathgesctienk in der Gestalt überreichte, in der wir späten Nachfahren es erleben, als Einheit von Religion und Sozialismus. Mit feiei liehen Worten wird am Schlüsse des Schöpfungsberichtes der siebente Tag, des Weltschöpfers Ruhetag, für heilig erklärt. Die Worte „Waj'chulu haschamajim w'haarez" sind die Verkündigung des Sabbaths an die Welt, die sich — zunächst durch Israel — anschickt, den Ruhetag in ihre natürliche Ordnung aufzunehmen. Es ist eine gewaltige Tat, die das Judentum unternimmt, wenn es ein Gesetz seines Geistes den ewigen Gesetzen des Kosmos einzugliedern versucht. Seit jenen gottbegnadeten Tagen vermochte nichts mehr den Sabbathgedanken der Menschheit zu entreißen. Sein Rhythmus ist ein Teil des ewigen Rhythmus von Ermüdung und Erneuerung, der Völker vergehen und werden läßt. Aber er hätte diese Kraft der Behauptung und Durchdringung nicht erlangt, wäre er als verstandesmäßige Erkenntnis der Notwendigkeit des Wechsels von Arbeit und Ruhe — also als rein soziale Institution — der Welt verkündet worden. Wir erkennen vielmehr gerade an ihm die auch unserer Zeit mit all ihren Menschheitsbeglückungsversuchen so bitter notwendige Wahrheit, daß auch der reinste Gedanke nur dann sieghaft ist, wenn er vom Flügelschlag des Unendlichen, alles Einenden, von der Religion getragen wird. Ihr Enthusiasmus allein vermag ihn von Zeit zu Zeit, von Raum zu Raum hinüberzureichen. So wurde der Sabbath ein Tag, „dem Heiligen geehrt*Diesem Erstgeborenen seines heißen Herzens und seines wahre Menschenverbundenheit erstrebenden Verstandes schenkte Israel seine ganze Liebe. Eine Liebe, die auch dann noch wirksam war, als man nicht recht mehr wußte: ist der Sabbath „um des Menschen willen da oder ist der Mensch um des Sabbaths willen* * da. Eine Liebe, die in breiten Schichten unseres Volkes noch heute nicht erloschen ist und die uns, seine dem Gesetze fremd gewordenen Söhne, zwingt, nicht etwa das alte Bild zu restaurieren, sondern es nach dem heißen Willen unseres Herzens und der Erkenntnis unseres Verstandes aufs neue zu gestalten. Es'wird wohl kaum möglich sein, die Entwicklung der religiösen Forderung des Sabbathgedankens in ihrem historischen Verlauf nachzuweisen. Wir wissen nicht, ob eine gerade Linie vom Sabbathopfer über das oben angeführte Jesaia-Wort zu der mystischen Lehre von der Sabbathseele führt. Wir können nur den religiösen Charakter des Sabbaths aus einigen Stellen der Bibel erkennen, allenfalls gewisse Steigerungen der Idee feststellen. Was wissen wirheute von den Empfindungen des der Darbringung der Sabbathopfer beiwohnenden Juden? Waren sie stärker, schwächer als