Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Sabbath
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 717 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath 717 Es ist hier das Verbot ausgesprochen, am Sabbath seinen Ort zu verlassen. Der Sinn ist hier ganz eindeutig: Geht nicht dem Erwerb von Lebensmitteln nach. Die Lehrer der Mischnah gründen auf diese Stelle das Verbot der Überschreitung desTh'chum mit äll seinen Berechnungen und die Vorschriften über das Herein- und Heraustragen aus dem Hause. Wenn auch nicht zu bestreiten ist, daß durch die Festsetzung desTh'chum der religiöse Gedanke des Sabbathraums (s. weiter unten) seinen Ausdruck gefunden hat, so müssen wir uns doch gegen die statuarische Form des Mischnahgebots wenden. Daß in ältesten Zeiten diese Stelle nicht im Sinne der Mischnah aufgefaßt wurde, geht aus 2. Könige 4,23 hervor, nach der es Brauch war, am Sabbath den — meist weit entfernten — Gottesmann aufzusuchen und sogar bei dieser Gelegenheit zu reiten. Es ließen sich andere Beispiele anführen, die zeigen, daß man im Bestreben, die Idee des Sabbaths zu sichern, sie kasernierte. Ich möchte ein Wort aus Gustav Landauers „Aufruf zum Sozialismus*' anführen, das immer wieder bei Behandlung der Fragen des traditionellen Judentums gilt: Darum ist Geist in den Völkern immer in Verbindung mit dem Ungeist, das tiefe Denken des Symbols immer im Zusammenhang mit dem Meinen des Aberglaubens; über die Wärme und Liebe des verbindenden Geistes kommt die Starrheit und Kälte des Dogmas. Statt der Wahrheit dessen, das so tief heraufgebracht ist, daß es sich nur im Bilde sagen läßt, stellt sich der Unsinn der Wörtlichkeit ein/' Wie die oben angeführte Stelle im Exodus gemeint ist, zeigt Jesaia 58,13. „Wenn du des Sabbaths wegen hemmest deinen Fuß, an meinem heiligen Tage dein Geschäft zu tun; so du den Sabbath Wonne nennst, dem Heiligen geehrt; so du ihn ehrst, daß deine Wege du nicht tust und dein Geschäft nicht suchst und Geschwätz nicht schwätzest..." Weder Wortlaut noch Geist dieser Stelle verbieten Verlassen des Hauses, sie fordern die Unterbrechung des Erwerbs am Sabbath und die Anerkennung eines gottgeweihten Tages. Es ließe sich so an mehreren Beispielen zeigen, wie der Unsinn der Wört- Hchkeit die tiefe Absicht des Gedankens verschüttet hat. Ich weiß aber, daß hundert Beispiele keinen echten Gesetzestreuen überzeugen könnten. Seine Überzeugung wurzelt im Glauben an die Göttlichkeit jedes Worts der Thorah. Wir wollen keine Polemik treiben, wollen — wenn wir schon meinen zerstören zu müssen — „aus aufbauendem Geist heraus zerstören". Wenn es der jüdischen Jugend — namentlich in Erez Israel — gelingt, den alten Sabbathgedanken neu zu gestalten, überzeugend, dem orthodoxen überwertig zu gestalten, dann weicht der Ungeist von selbst. IV. Es gilt also, die beiden erkannten Inhalte des Sabbathgedankens zu betrachten und gleichzeitig den Versuch, aus ihnen das Bild des Sabbaths, das uns noch unbestimmt vorschwebt, zu gestalten. Es wird schwer festzustellen sein, ob die soziale Idee, als die primäre,